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Bedeutung von Papierarten

11. und 12. Jahrgangsstufe
Relevantes rhetorische Situation Zeichenarten, Werbung rhetorisch, Architektur rhetorisch, Bild und Rhetorik, Austauschtest Geschichte des Papiers, Papierlexikon, Modus  
grundsätzliches

Wir gehen durch die Welt, nehmen wahr und deuten, was wir wahrnehmen, mit dem Ziel, die Welt zu verstehen, um entsprechend handeln oder reagieren zu können. Wenn etwas so oder auch anders sein kann, dann können wir dies als Zeichen verwenden. Dies gilt besonders bei Entscheidungen. Ein Beispiel: wenn wir mit jemandem in eine Gastwirtschaft gehen, um etwas zu essen, können wir aus der Wahl des Gerichts eine Menge Rückschlüsse auf unser Gegenüber ziehen: Vegetarier, hungrig, geizig, Feinschmecker, traditionell, innovativ usw. In manchen Situationen ist uns dies bewusst und wir wählen unser Essen auch unter dem Aspekt, wie unser Gegenüber diese Wahl interpretiert. Wo wie in einer Kantine nur ein Gericht zur Auswahl steht, können wir weniger Schlüsse ziehen: schmeckt – schmeckt nicht, hungrig – nicht hungrig. Die Wahl besteht lediglich darin, etwas zu nehmen oder nicht und dieses ganz oder teilweise zu essen. Ähnlich ist es mit Kleidung: wenn alle eine Schuluniform tragen, wird es aufgrund der Kleidung schwierig Schlüsse auf Einstellungen der Schülerinnen und Schüler zu gewinnen. Wer Schulen mit Schuluniformen kennt, kann bemerken wie dennoch Unterschiede inszeniert werden.

Weil wir aber wissen, dass es verschiedene Kleidungsstücke gibt und wir davon ausgehen, dass diese mehr oder weniger von den TrägerInnen ausgewählt werden, können wir Rückschlüsse ziehen, die sich soweit bewähren, dass wir dies immer wieder machen.

Beim Verstehen von Bildern und den Absichten, die mit den Bildern verfolgt werden, beziehen wir bewusst oder unbewusst auch die materielle Beschaffenheit der Bilder mit ein. Neben anderem spielt der Bildträger eine Rolle – eben weil wir wissen, dass es verschiedene Bildträger gibt. Das Papier, auf dem das Bild oder der Text gezeichnet oder gedruckt ist, können wir interpretieren. Wir tun das laufend, wenn auch meistens unbewusst. Für bestimmte Anlässe halten wir gewisse Papiersorten für angemessen.

Sammlen Sie Bilder und andere Druckerzeugnisse auf Papier aus möglichst vielen verschiedenen Zusammenhängen.

Nehmen Sie einige Beispiele heraus und versuchen Sie zu bestimmen, warum gerade diese Papiersorte für den jeweiligen Zweck verwendet wurde.

Überlegen Sie, in welche unterschiedlichen Kategorien sich die Papier einordnen lassen: Gewicht, Oberfläche, Volumen, Stabilität, Saugfähigkeit usw. Ordnen Sie die gesammelten Bilder/Druckerzeugnisse in eine dieser Kategorien ein. Welche Regelmäßigkeiten lassen sich feststellen? Versuchen Sie diese zu erklären.
Reflexion Erklären Sie mit Hilfe der Zeichentheorie von Rudi Keller, wie bestimmte Papiersorten zu "Symbolen" werden. Suchen Sie aus Ihrer Sammlung Beispiele aus, die sich zur Untermauerung der Argumentation eignen.
praktische Übungen Besorgen Sie sich möglichst viele unterschiedliche Papiersorten und überlegen Sie sich für jede einzelne, für welche Berufsgruppe sie sich zur Herstellung von Visitenkarten eignen. Entwerfen Sie einige Visitenkarten und berücksichtigen Sie, dass Visitenkarten jeweils Vertrauen wecken sollen und als angemessen eingeschätzt werden sollen.

Nehmen Sie sich irgendwelche Gestaltungsaufgaben vor und experimentieren Sie mit unterschiedlichen Papiersorten. Beschreiben Sie, wie sich die Botschaften durch den Einsatz unterschiedlicher Papierarten verändern. Gibt es Botschaften und Bilder, die durch unkonventionelle Papiere in ihrer Aussage stärker beeinflusst als andere? Warum?

Nehmen Sie aus Ihrer Sammlung von Papieren mit Bildern oder Texten ein für seinen Bereich typisches Beispiel heraus (Speisekarte, Zeugnis, Werbebeilage, Fahrplan, Papiertüte) und wählen Sie für eine eigene Gestaltung ein Papier, das die Botschaft sabotiert und unglaubwürdig macht. Wählen Sie für eine weitere Gestaltung ein Papier, das "gerade noch möglich" ist. Grenzwertig.
Ähnliche Untersuchungen können Sie mit Layout-Formen oder Schriftarten durchführen. Auch daraus lassen Übungen entwickeln, die die Gestaltungen an der Grenze des "Gerade-Noch-Möglichen" thematisieren.
Franz Billmayer, 8.1.2007
zuletzt geändert  28.11.2007