Das hier ist ein "kunstpädagogisches" Projekt (Aufklärung über das Kunstsystem), nicht Kunst.
Damit wendet es sich gegen diejenige Kunstpädagogik, die sich als Missionierungs- und Propagandaeinrichtung des Systems versteht.
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KünstlerInnen erfinden

Anregungen zum Erfinden von KünstlerInnen und eigenen Kunstprojekten.
Über Nachrichten von Realisationen freue ich mich: franz.billmayer@moz.ac.at

das Projekt hat mit dem 24. September 2007 und 52 "KünstlerInnen ein Ende gefunden - ein Jahr reicht


Über dieses Projekt
gute kunst 2001(pdf 211KB)

Tipps zum Schreiben von Texten über Kunst:
"Die Buergelmaschine"

soll ein Museum gleiche Arbeiten von verschiedenen KünstlerInnen kaufen?

zwei Künstler von M. Houellebecq
NEU KünstlerInnen erfinden II
die neue Staffel zur 53. Biennale in Venedig

wie ich zu 100 Künstlern wurde - TED-talk von Shea Hembrew

Biennale in Ladonia - von Lars Vilks:
http://thub.bloggagratis.se/
money
künstlerin arbeitet mit geld
nice
künstler verschönert die umwelt
help
soziale arbeit als künstlerische arbeit
horse
pferdefotografie als künstlerische strategie
export
import und export als künstlerische strategie 
alarm
notarzt, polizei, feuerwehr als künstlerisches material
sit (13.8.)
sitzen als künstlerische strategie

flag 
künstler arbeitet mit fahnen
flow
fließendes wasser als künstlerisches material
whip
peitschen als künstlerische strategie und material
erase
löschen als künstlerische strategie
soap
künstlerin arbeitet mit seifen
stamp
künstlerin stempelt
obelisk obelisk
künstler stellt einen obelisk auf 
puzzle
künstlerin macht rätselbilder 
nistkasten nest
künstler baut nistkästen 
shift
künstlerin klebt aufkleber 
eat
essen als künstlerische strategie 
print
fingerabdrücke als künstlerische äußerungen 
travel
künstler fährt schwarz 
sweat
künstlerin schwitzt 
mirror
spiegeln als künstlerische stragegie
stigmazeichnung stigma
künstler zeichnet schematisch 
trees
künstlerin fesselt bäume und sträucher 
shorts
künstler fotografiert unterhosen 
towels
künstlerin fotografiert handtücher 

spit
spucken als künstlerische strategie 
wash
künstlerin wäscht 
clean
Putzen als künstlerische Strategie
concrete
Betonguss als anästhetisches Verhalten 
shoes shoes
Künstlerin arbeitet mit Schuhen
heat
Künstler arbeitet mit Ventilatoren und Heizstrahlern
wax
Künstler arbeitet mit Wachs von Opferkerzen
light
Künstlerin leuchtet aus Dachfenstern
public transport trains
Künstlerin arbeitet im öffentlichen Verkehr
lego
Künstler arbeitet mit LEGO-Steinen
 Rubbish
Künstler ordnet Abfall
Shit
Künstler gießt Hundekot ab
Roadside
Künstler arbeitet an den Straßen Australiens
Screen
Künstler macht Fotos vom Fernseher
Parts
Künstlerin isoliert Stellen aus berühmten Kunstwerken
Christmas
Künstlerin macht das ganze Jahr Weihnachten

Kitchen
Künstlerin entwirft mit dem IKEA-Küchenplaner
smuggling
Künstlerin stellt überall aus

Tourist -
Künstlerin fotografiert Sehenswürdigkeiten
Places -
Künstler baut Plätze nach
copy
Copy
Künstlerin kopiert Kunstwerke
Background
Künstler springt in Fotografien

Rubber
Künstlerin macht Fotos mit aufblasbaren Gummitieren
Sound
Künstler macht LautsprecherBilder

kids
Künstlerin lässt Kinder für sich arbeiten 

transit
Künstler arbeitet mit Fußabstreifern 





 Kunstunterricht

In den Veröffentlichungen zur Kunstpädagogik werden die Kunst als solche und in Folge viele Kunstwerke meist als komplex, vielfältig und bedeutend bezeichnet. Das ist verwunderlich, weil wir schon seit Ende der 1960er Jahre wissen, dass alles Kunst sein kann und dass das Kunstsystem oder die Institution Kunst bestimmt, welchen Erscheinungen dieses Prädikat (bzw. dieser Index) zuerkannt wird. Mit dem Index schlägt das Kunstsystem eine besondere Form der Nutzung vor (Kunst als Gebrauchsanweisung)

Früher war das anders. Da gingen die Leute davon aus, dass die Eigenschaft Kunst keine Zuschreibung sondern eine Eigenschaft ist, die im jeweiligen Werk selbst begründet ist; die Eigenschaft hatte mit der Form also dem Aussehen des Werkes etwas zu tun. Darüber wurde ausführlich diskutiert, einheitliche Ergebnissen gab es so gut wie nie. Daneben meinten die Leute, dass Kunstwerke nie ganz "auszuschöpfen" seien, immer noch eine weitere Deutung möglich sei und sie also einen Rest an Geheimnis für sich behalten.

Aus Bildern wurden mit der Erfindung des modernen Kunstbegriffs Kunstwerke, indem diese nicht mehr als Kommunikationsmittel sondern als Mittel zum Gewinnen spezifischer Erkenntnisse verstanden wurden. Dennoch wurden sie noch wie Botschaften verstanden, die Betrachter fragten (sich) Was hat uns das Werk zu sagen?. In der Kommunikation verhalten sich Bilder allerdings wie Prädikate: um mit ihnen zu kommunizieren, muss der Gegenstand benannt werden, über den sie eine Aussage machen. Und genau dies wird in der modernen Kunst nicht mehr gemacht. Das ist der zweite Grund, warum Kunst so schwierig ist. Diese Zeiten sind vorbei, weil die Kunst als institutionelles Konstrukt verstanden wird. (siehe Vilks)

In der Kunstpädagogik werden heute Kunstwerke, die im institutionellen Paradigma entstehen mit den Vorstellungen von früher betrachtet. Das führt zwangsläufig zu der Auffassung, dass aktuelle Kunst hoch komplex ist, müssen doch die alten ontologischen Kriterien auf Werke angewendet werden, die extrem breit gestreut sind… Inhaltliche, formale und mediale Merkmale dehnen sich ins Endlose aus, lassen sich nur extrem schwer systematisieren. Selbst die ästhetische Erfahrung eignet sich nicht mehr zur Zusammenfassung aller Phänomene, die als Kunst verwendet werden.

Dieser Denkfehler (Kunst aus dem institutionellen Paradigma ästhetisch zu betrachten) führt etwa auch dazu, dass Verfahren, wie etwa das Dokumentieren oder Sammeln, in der Diskussion als künstlerische Strategien bezeichnet werden, nur weil einige KünstlerInnen sie in ihren Werken verwenden. Dabei besteht der Witz gerade darin, dass sie nicht-künstlerische Verfahren sind, wie vor fast 100 Jahren der Witz der ready mades gerade darin bestand, dass sie keine Kunstwerke sind. Auch hier tappt die Kunstpädagogik in die ontologische Falle.

Mit der institutionellen Kunsttheorie ist offensichtlich, dass die Kunst die Sache eines sozialen Systems ist, das relativ wenige Personen kontrollieren. Zum Verständnis der Kunst eignet sich die Soziologie, die Kunstwissenschaft erweist sich als Ideologie zur Legitimierung der umfassenden Gültigkeit von Vorstellungen einer Szene. Die Kunst kann so gesehen das Versprechen, eine privilegierte Form der Weltsicht und Welterkenntnis zu sein, nicht mehr länger einlösen.

Die Orientierung der Kunstpädagogik an der Kunst erweist sich als ein Raster, das die Sicht auf die Welt extrem einschränkt.

Wie die internationale Gegenwartskunst funktioniert, lässt sich Schülerinnen und Schülern in der Oberstufe leicht und schnell erklären. Schwieriger ist es, die impliziten Regeln des Kunstsystems zu verstehen – die werden nicht explizit formuliert, um den leichten Zugang zu erschweren. Die Übungen „KünstlerInnen erfinden“ erschließen die Spielregeln spielerisch.




zuletzt geändert 16.11.2016
Franz Billmayer