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Saisonale visuelle Zeichen im Unterricht

 
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Zum Thema

Mit visuellen Zeichen zeigen wir, dass wir zu einer bestimmten sozialen Gruppe gehören (wollen). Dazu verwenden wir den entsprechenden Code. Wer ihn nicht kennt oder falsch verwendet, macht Fehler und fällt als Außenstehender auf. Diese Zeichen beziehen sich auf verschiedene Kategorien. Kinderzimmer unterscheiden sich von denen der Eltern. Die Schultaschen von Mädchen haben andere Farben als die der Buben. Kleidung von Frauen ist anders gemustert als die von Männern. Freizeitkleidung ist bunter als die, die Leute im Büro tragen. Kletterer ziehen sich anders an als Grufties, Sportfans anders als Leute, die in die Oper gehen. Das Gasthaus im Dorf richtet Teller anders an als das Haubenrestaurant. Zu Weihnachten werden Schaufenster anders geschmückt als zu Ostern.

Saisonale Kulturen in Mitteleuropa

Noch im kalendarischen Sommer fangen die großen Lebkuchen- und Weihnachtsgebäckhersteller mit dem Ausliefern ihrer Jahresproduktion. Anfang September sind sie besonders frisch. Wer schlau ist, gibt sich nach dem Besuch des Schwimmbads hier schon einen Vorgeschmack auf Weihnachten. Ältere Menschen wie der Autor stöhnen regelmäßig darüber, wie sich die Konsumkultur der Weihnachten bemächtigt und damit das Besondere dieses Festes – seinen jahreszeitlichen Bezug, seine zeitliche Begrenztheit und die Vorfreude – aufweicht. Der Fachhandel bezeichnet die Produkte gerne als „Herbstgebäck“.i Die visuelle Aufmachung lässt das als Schwindel erscheinen. Motive, Gestaltung und Schriftarten weisen auf Weihnachten hin. Der Glühwein kommt dann ein oder zwei Monate später. Und dann ist kein Halten mehr: die weihnachtlichen Zeichen in  den Supermärkten, Schaufenstern, Einkaufszentren, Gaststätten, Innenstädten und im privaten Wohnraum nehmen von Tag zu Tag mehr Raum ein. Seit einigen Jahren weitet sich die weihnachtliche Dekoration über Verkaufsräume und traditionelle Weihnachtslebensmittel hinaus auf andere Produktgruppen ausgeweitet, z.B. auf Körperpflegeprodukte. Im öffentlichen Raum wird der Höhepunkt Ende November erreicht, große und kleine Orte haben im Zentrum die Weihnachtsbeleuchtung angebracht und Christbäume aufgestellt. Dieser Status wird in etwa bis Neujahr gehalten. In den privaten Haushalten nimmt die Steigerung bis Weihnachten laufend zu. Ein paar Tage nach Neujahr kommen dann die Dekorationen wieder in die Schachteln und die Produkte stark reduziert in den Ausverkauf. Es wird schnell peinlich, wenn das nicht rechtzeitig in Angriff genommen wird.
Mit dem Ende der Weihnachtszeit beginnt in vielen Gegenden nahtlos der Fasching. In der Gegend, wo ich wohne, dekorieren vor allem Gaststätten, Bäckereien und Metzgereien ihre Räume mit Luftschlangen, Konfetti und ähnlichem. Allerdings wird diese Deko nicht so konsequent befolgt wie die darauf folgende Zeit von Ostern/Frühling.
Ähnlich wie Weihnachten – wenn auch gefühlt bisher in einem wesentlich geringerem Umfang – wird Ostern inszeniert, auch hier gibt es saisonale Lebensmittel (Osterhasen, Eier, Backwaren) und Bräuche. Verschiedene Produkte werden mit einem österlichen Zeichenrepertoire dekoriert. Und natürlich gibt es entsprechende Dekorationenii finden in Wohnungen, Gaststätten und Geschäften. In manchen Gegenden gibt es Eierbrunnen, oft von Vereinen gestaltet. Ansonsten sehen es Kommunen bisher kaum als ihre Aufgabe, den öffentlichen Raum österlich zu gestalten.
Eventuell kann man den Sommer mit seinen Ferien bzw. mit dem Sommerurlaub als jahreszeitliche Inszenierung verstehen, hier liegt der Schwerpunkt auf der sommerlicher Kleidung und Freiluftfesten mit Grillgut. Zumindest im Süden des deutschen Sprachraums markieren Besucher von Volksfeste mit Trachtenmode, dass sie wissen, welche Saison herrscht.
Im Sommer bieten im Vierjahresrhythmus wiederkehrende Sportereignisse (Fußballwelt- oder Europameisterschaften, Olympische Spiele) Gelegenheiten zu zeigen, dass man „up-to-date“ ist. Auch hier beginnt die Saison mit entsprechenden Produkten und Dekorationen schon Wochen vor dem „Fest“. Bäckereien verwenden Tüten mit Fußballmotiven und dekorieren mit den nationalen Fahnen / Farben.
Und dann kommen mit Halloween die entsprechenden Figuren in die Fenster und an die Haustüren, vor denen schon die Kürbisse liegen. Dazu schmeckt dann schon die erste Tasse Glühwein mit Lebkuchen.

i

 http://www.stern.de/wirtschaft/news/erste-lebkuchen-in-den-supermaerkten-ja-is-denn-heut-scho-weihnachten-1724628.html (12.7.2014)

ii

 In letzter Zeit werden Sträucher oder kleine Bäume mit Eiern aus Plastik und Federn dekoriert – analog zum Christbaum.



Franz Billmayer, 14.12.2016

Weihnachtsdeko aus Glanzpapier 
Weihnachtsdeko aus Glanzpapier

Leute beim Fasnachtsumzug in Luzern 2013
Leute beim Fasnachtsumzug Luzern 2013

Feuerwerk an Sylvester
Sylvesterfeuerwerk