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Alle Jahre wieder - Weihnachten im BE-Unterricht - visuelle Kultur beoachten

 
alle Jahrgangsstufen

Zum Thema

Während einer Konferenz im November 2013 hat eine Kollegin von einer ehemaligen Studentin einen Anruf bekommen. Die Schulleitung will, dass sie mit ihren Schülerinnen und Schülern etwas "zu Weihnachten" macht.
Das war meine Initialzündung zum Thema. Warum nicht Weihnachten als visuelle Kultur ernst nehmen und Themen und Aufgaben entwickeln?
Für & Wider Weihnachten im BE-Unterricht - jeweils 10 Argumente

Grundsätzliches zu analytischen Aufgaben

Sammeln und Sichten

Möglichst viele und vielfältige visuelle Zeugnisse der Weihnachtskultur werden als Untersuchungs- und Beweismaterial gesammelt. Beim Sammeln (was gehört dazu und was nicht) lernen die Schülerinnen und Schüler eine weites Feld an Genres und Bildkategorien kennen. Zu schauen, was es sonst noch zum gleichen Thema gibt, was andere gemacht haben, ist das Um&Auf für die Analyse von visuellen Äußerungen. Im Vergleich wird schnell sichtbar, welche Möglichkeiten beim jeweiligen Objekt nicht realisiert worden sind.  Selbstverständlich wird normatives Selektieren vermieden.
Wie unterscheidet sich das Objekt von anderen seiner Klasse?
Worin gleicht es (allen) anderen? Code, Regel, Genre
Welche Traditionen gibt es?
Was bedeutet die eventuelle Abweichung?
Welche Absichten werden von den Nutzern / Herstellern / Konsumenten verfolgt?
Was finde ich besonders gut?
Was eignet sich für welchen Zweck besser / schlechter? Warum?

Zweck und Funktion

Bei allen untersuchten Objekten wird davon ausgegangen, dass sie zu einem bestimmten Zweck hergestellt bzw. verwendet werden. Dekoration für einen Christbaum, ein Fenster, eine Wohnungstür, ein Geschenkpapier oder die Verpackung eines bestimmten Produktes, eine Weihnachtskarte für den privaten Gebrauch, die Schule oder einen Verein, ein Adventskalender für XY zum Thema …

Varianten

Für jeden Gegenstand wählen die Schülerinnen und Schüler jeweils wenigstens drei Varianten aus. Die Variationen beziehen sich entweder auf Form, Material, Motiv oder Zwecke. Dadurch wird bewusst, dass jede Gestaltung immer auch anders sein kann und dass die Varianten unterschiedliche Zwecke erfüllen können.




Den Weihnachtscode knacken

(Gruppenarbeit 3 – 4 SchülerInnen)

Die Übung eignet sich als Einstieg in ein gestalterisches Thema (Arbeitsblatt?).

Stellt Euch vor, ihr entwerft Weihnachtskarten für einen Kartenverlag, gefordert sind wenigstens drei. Sie unterscheiden sich darin, dass unterschiedlich viele Gegenstände darauf abgebildet sind:

Kerze, Tannenzweig, elektrische Christbaumbeleuchtung, Tannenbaum, Lametta, Räuchermännchen, Christbaumkugel, Lebkuchen, Plätzchen, Strohstern, Sternwerfer, Weihnachtsmann, Nikolaus, Engel, Christbaum, Sternenhimmel, Adventskalender, rote Socken, Sterne, bemaltes Ei, Weihnachtsstern (Blume), Glühwein, Walnuss, rote Tischdecke, Glitter, Rentier, Schlitten, Schlittschuhe, Geschenkpakete, Weihnachtsgrippe, rote Schleife, Gold- und Silberfolien, Lametta, Glocken, Christstollen, Weihnachtskrippe, Schneemann, Schneekristall, Schinken, Sektflasche, Tasse heiße Schokolade, Sternwerfer, Palmenzweig ...

Stellt eure Auswahl in der Klasse vor und begründet, warum ihr euch für die jeweiligen Gegenstände entschieden habt. Welche Alternativen habt ihr warum nicht genommen?

Wie haben die anderen Gruppen entschieden?
Welche Motive werden oft gewählt, welche nie?
Versucht nachvollziehbare Erklärungen für eure Auswahl zu finden.

Sucht euch die benötigten Gegenstände zusammen und realisiert von den drei Karten jeweils wenigstens drei Varianten für eine Weihnachtskarte; eventuell für unterschiedliche Gewerbe (Fischgeschäft, Schule, Versicherungsgesellschaft). Ingesamt sind das also neun Arbeiten. Die Varianten beziehen sich auf das Arrangement der Gegenstände, auf die Beleuchtung, den Bildausschnitt, den Kamerastandpunkt, die Schärfe (mit der Optik der Kamera oder mit der Bildbearbeitung gimp erzeugt), Bildbearbeitung mit verschiedenen Filtern und Effekten, Format (hoch, quer, quadratisch, rund ...)



Vorweihnachtszeit – Langzeitbeobachtung



Wo ist Weihnachten? Wo nicht?

Die Schülerinnen und Schüler recherchieren eine Woche im Dezember möglichst vollständig,
Auf der Grundlage der Ergebnisse werden drei (?) Listen aufgestellt: Anhand der Listen werden Hypothesen über die kulturellen Regeln aufgestellt.
Diese Übung geht davon aus, dass nicht alle Orte oder Produkte weihnachtlich inszeniert werden. Aus den Ergebnissen lassen sich sowohl Rückschlüsse auf den besonderen Charakter der visuellen Weihnachtskultur im Speziellen und auf den Umgang mit Dekorationen im Allgemeinen ziehen.


Echt oder nachgemacht

Im häuslichen und privaten Bereich dekorieren wir, weil wir es uns schön machen wollen. Wir machen damit unseren Sinnen  Wahrnehmungsangebote in der Hoffnung, dass wir darauf mit Wohlbehagen und angenehmen Gefühlen reagieren. Gerhard Schulze nennt das „Situationsmanagement“ (Schulze, 1995)⁠.
Wir dekorieren aber auch, weil wir anderen etwas (über uns) mitteilen wollen, Wer bei seinen Dekorationen mit den Jahreszeiten geht, zeigt damit, dass er aktuell und up to date ist, dass er sich kümmert und Mühen nicht scheut. Wir bemerken diese Regeln (Codes) – wie viele andere Regeln auch – erst dann, wenn sie verletzt werden, wenn etwa die Weihnachtsdeko noch Ende Jänner in einer Gaststube vor sich hin verstaubt.
Dekorationen können aus wertvollem Material bestehen. Das ist aber m.E. nicht das zentrale Kriterium, wichtiger ist der Zeitaufwand, den Dekorationen beim Aufbau und beim Unterhalt erfordern. Unterlassene Pflege macht sich schnell bemerkbar, das zeigt sich an Stoff- versus Plastiktischdecken, echte versus Plastikblumen, Wachs- versus elektrische Kerzen … Auf einen einfachen Nenner gebracht: Dekorationen „kommunizieren“ Mühe, Sorge, Konzentration und Zeitaufwand.
Worin liegen die Unterschiede in der Bedeutung (Interpretation) zwischen echten Christbäumen und solchen aus Kunststoff, Christbaumkugeln aus Plastik und solchen aus Glas, industriell gefertigten und mundgeblasenen, selbst gebasteltem Christbaumschmuck und gekauftem?
Worauf beruhen die unterschiedlichen Bedeutungen? Welches Wissen aktivieren wir, um die unterschiedlichen Bedeutungen zu erkennen?
Was bedeutet das für die visuelle Kommunikation an Weihnachten?




Franz Billmayer, 20.12.2016
zuletzt geändert, 28.12.2016