bilderlernen.at ist ein Projekt der Bildnerischen Erziehung an der Universität Mozarteum Salzburg         
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Grundsätzliches zu Methoden (im Bildunterricht) <<< zurück

Hier folgen grundsätzliche Überlegungen zu Methoden im Bildunterricht.
 

Anmerkungen

 

Machtverhältnisse in der Fahrschule

Wie sind die Machtverhältnisse in der Fahrschule? Die Fahrschüler sind Kunden, die mehr oder weniger jederzeit den Vertrag kündigen können, wenn sie das Gefühl haben, die Fahrschule ist ihr Geld nicht wert. Kunde ist König. Umgekehrt, der Fahrlehrer kann etwas, was die Fahrschüler gerne können würden. Das Lernen kann nur gelingen, wenn sie tun, was er sagt. Der Lehrer schafft an.


Fahrkartenautomaten am Linzer Hauptbahnhof

Urteile fällen

Die Schule als staatliche Einrichtung hat die LehrerInnen verpflichtet das Bewerten-Können zum Beurteilen einzusetzen. So sind LehrerInnen auch für das Auswählen und für das Ausstellen von Zeugnissen verantwortlich. Das gibt ihnen eine eigenartigen Machtposition, die mit dem Unterrichten und Lernen an sich wenig oder nichts zu tun hat. Je höher die Jahrgangsstufen, desto mehr werden LehrerInnen von SchülerInnen als RichterInnen wahrgenommen, die über Lebenschancen entscheiden.

Überblick braucht's

 

Kompetenzen zu Ende gedacht

Kompetenzen beschreiben, was die Gesellschaft von ihrem Nachwuchs an Kenntnissen und Fähigkeiten in einem bestimmten Alter erwartet. Das könnte sich langfristig als das Ende der Schulpflicht und der damit verbundenen Unterrichtspflicht heraus stellen. Es lässt sich damit langfristig eine für alle gleich lange Unterrichtszeit im Allgemeinen schwer begründen, mittelfristig oder kurzfristig müsste der feste Stundenplan, wo nach alle die selbe Anzahl Stunden in den einzelnen Unterrichtsfächers verbringen, zugunsten individueller Lernzeiten verschwinden.
Die derzeitige Regelung kann nur über "anzustrebende Ziele" aufrecht erhalten werden: Bildung lässt sich nicht abschließen, sie kann immer noch "besser" werden. Es ist die Aufgabe des Nachwuchses hier möglichst weit zu kommen. Und der Nachwuchs hat eh nichts anderes zu tun, weil wir die Bildung als seine Aufgabe ansehen, ist Kinderarbeit verboten.
Frage: Zu welchem Ziel soll die (Schul)Bildung? Wirtschaftswachstum? Steigerung der Beherrschung der natürlichen Ressourcen? Verringerung der Ansprüche an Prestige und Konsum (Askese durch Weisheit durch Bildung)? Diese Fragen werden nicht diskutiert? <<<

Grundsätzliches zur Methode

Zumal im Pflichtschulbereich – Schule ist eine Zwangseinrichtung – sind (fach)didaktische Fragen immer ethische Fragen. Das betrifft Inhalte, Methoden und Ziele.
Bei der Frage, wie Unterricht und Lernen ablaufen, (Methodik) geht es um die Frage, welche Rolle SchülerInnen und LehrerInnen haben, wie sie zueinander stehen, welches Menschenbild gilt, wie die Machtverhältnisse sind.

Kompetenzen und die Folgen

Bei der Frage der Macht könnte sich in nächster Zeit etwas ändern, wenn sich die Orientierung an den Kompetenzen durchsetzt und der Fall des Wissensmonopols (Smartphones in Kombination mit verbesserten Suchfunktionen) von LehrerInnen allgemein akzeptiert wird. Kompetenzen beschreiben, was die Gesellschaft vom Nachwuchs an Fähigkeiten verlangt - zunächst mal unabhängig von Schule und Unterricht. Damit wird das Lernen und nicht der Unterricht im Zentrum gesehen; damit verlagert sich die Verantwortung von den Lehrenden auf die Lernenden. Konsequent zu Ende gedacht bedeutet das: die Lehrenden brauchen weniger Macht als früher. Wie in der Fahrschule werden sie zum Coach.

LehrerInnenbilder

Ein Lehrer kann einer sein, der es besser weiß und von den SchülerInnen verlangt, dass sie ihm blind folgen. Das ist ein vordemokratisches Menschenbild. Die SchülerInnen erfahren erst im Lauf der Zeit, worauf das Ganze hinausläuft.
Andere Lehrer wissen, was richtig und falsch ist, und fühlen sich für das Lernen der SchülerInnen allein verantwortlich.
Ein Lehrer kann ein Coach sein, der SchülerInnen dabei hilft, das Ziel zu erreichen. Der Lehrer bietet etwas an, aber er muss es nicht mit Gewalt durchsetzen. Ein demokratischer Lehrer?

SchülerInnen und LehrerInnen

Wie begegnen sich Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer? Das ist grundlegend für die Wahl der Methoden also die Entscheidung, wie das Lernen organisiert wird.

SchülerInnen entscheiden über Methoden

Als Menschen in einer demokratischen Gesellschaft müssen SchülerInnen an Entscheidungen, die sie betreffen beteiligt werden. Mit der Orientierung an den Kompetenzen tragen sie die Verantwortung für das Lernen. SchülerInnen müssen mitbestimmen über Inhalt und Methoden. Damit das geht, müssen sie Methoden kennen und verstehen.
Das bedeutet:
  • die Methode wird als Methode offen gelegt:
  • was wird wie gemacht, um welches Ziel zu erreichen?
  • es wird gesagt, wie es anders gehen könnte
  • die Methoden werden von SchülerInnen und LehrerInnen diskutiert und (anschließend) bewertet
  • aus der Bewertung werden Konsequenzen gezogen
  • es wird verständlich gesprochen.
Damit SchülerInnen über die Methoden mitentscheiden können, müssen sie auch die Ziele kennen und verstehen, nochmal: es muss eine verständliche Sprache verwendet werden.

Was können LehrerInnen ...

Was können und wissen LehrerInnen, was die Schülerinnen und Schüler nicht können?
Warum können, müssen und dürfen LehrerInnen das Lernen organisieren?
Diese Frage sollte immer wieder diskutiert werden.
Was mir dazu einfällt:
LehrerInnen haben mehr Erfahrung und ein breiteres fachlich spezialisiertes Wissen. Und sie haben ein professionelles Wissen über Lernen und dessen Organisation. Sie können eine Diagnose stellen – was wird gekonnt und wo sind Defizite – und daraus eine Therapie ableiten – diese und jene Maßnahmen sind zu empfehlen.

Überblick

Mit der mobilen Internetpräsenz (smartphones) ist viel fachliches Wissen auch SchülerInnen schnell und leicht zugänglich. Diese Informationen sind oft punktuell, um sie bewerten und auswählen zu können, braucht es einen Überblick. Überblick bedeutet ein Fachgebiet ist mehr oder weniger diffus im Bewusstsein und kann entsprechend genauer benannt und bedacht werden. (Fach)lehrerInnen haben diesen Überblick, SchülerInnen sollten ihn am Ende der Schulzeit haben. Ein grober Überblick müsste irgendwo im Unterrichtsraum präsent sein.

Konsequenzen

Die verwendeten Methoden sollten auch außerhalb des Unterrichts nützlich sein. Das Entwickeln, Lernen, Anwenden und Bewerten von Methoden als solche sind wichtige Ziele; auch im Hinblick auf das lebenslange Lernen. Das bedeutet aus meiner Sicht, Schülerinnen und Schüler sollen sich über die verwendeten Methoden Methodenkompetenz und -bewusstsein für ihren Alltag und das Berufsleben erwerben.

Zwei Arten von Methoden

allgemein:
Schule sollte fachlich und vielfältig sein. Die entsprechenden Methoden werden in der allgemeinen Didaktik behandelt.
fachspezifisch:
diese zu beschreiben und zu entwickeln, ist Aufgabe der Fachdidaktik.

Bilderflut und ähnliches

Leute, die über fachliche und fachdidaktische Fragen schreiben und deren Texte gedruckt werden, sind in der Regel älter. Sie argumentieren für die „Kunst“pädagogik gerne mit apokalyptischem Vokabular: Bilderflut und -schwemme drohen, unsere Identität, unsere Kultur und unsere Werte hinwegzuspülen. Auch die weniger apokalyptisch orientierten argumentieren mit der Veränderung der medialen Landschaft, das ist verständlich, wenn für das Fach bildungspolitisch argumentiert wird.
Um die SchülerInnen für das Fach zu überzeugen, taugen solche Argemente wenig – sie sind in dieser Flut aufgewachsen und zu Hause. Die Argumentation muss in Richtung Zukunft gehen. Es muss klargemacht werden, was derzeit an Kompetenzen wichtig, notwendig und wünschenswert ist – welches Wissen einem was bringt, sollte möglichst deutlich formuliert werden. (Das ist vermutlich gar nicht so einfach.) Von der Gegenwart muss dann in die Zukunft argumentiert werden.

NICHTS VERGESSEN

Die zentralen Methoden, die als Unterrichtsprinzip fungieren, sollten irgendwo im Zeichensaal aushängen, damit sie nicht vergessen werden-
Und immer sollten Alternativen zu den gerade verwendeten Methoden benannt und ausprobiert werden.







Franz Billmayer, 13. April 2011, geändert 17.4.2011