bilderlernen.at ist ein Projekt der Bildnerischen Erziehung an der Universität Mozarteum Salzburg         
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Aufgaben stellen und lösen <<< zurück

Bildunterricht ist bei SchülerInnen und LehrerInnen vor allem gestalterisch praktischer Unterricht. Die Aufgabe, die gelöst werden soll, ist zentral.
 

Empfehlung
Kunst und Unterricht Nr. 341:
Diese Ausgabe von K+U möchte das Aufgaben-Stellen im Kunstunterricht unter die Lupe nehmen und den Dschungel der dabei immer wieder auftauchenden Begriffe lichten. Die Aufgaben-Beispiele sind nicht als Musteraufgaben zu verstehen, sondern möchten Wege aufzeigen, wie man zu sinnvollen Aufgaben kommen kann. Mit Aufgaben kann man herausfinden, welche Kompetenzen die Lernenden erworben haben – Prüfungsaufgaben oder die Schülerinnen und Schüler dazu bringen, in selbstbestimmten Lernprozessen Kompetenzen zu erwerben – Lernaufgaben – bzw. bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten zu trainieren – mit Übungsaufgaben.

von Ulrich Schuster
Begriff der Aufgabe im Kunstunterricht

Evaluierung Bild Schweden

Der Bericht (2005) bemängelt in der Zusammenfassung, das analytische und reflexive Anteile im konkreten Unterricht zu kurz kommen. Es heißt:
„ Es gibt verschiedene Fachkonzeptionen oder Auffassung darüber, welche Ausrichtung und Funktion das Fach in der Schule einnehmen soll. Die Lehrpläne betonen zwar die kommunikative Seite des Faches, aber Teile des derzeitigen Lehrplans, z.B. Bildanalyse, Bildbetrachtung und Bildkommunikation, werden im Unterricht zu wenig berücksichtigt. Eine deutlichere Formulierung der Bildkommunikation als zu erreichendes Ziel muss deshalb in den Lehrplan implementiert werden.
 In den Diskussionen gibt es oft einen Gegensatz zwischen Bildproduktion und Bildanalyse. Durch die Betonung der kommunikativen Aspekte kann dieser Gegensatz aufgehoben werden. Anstatt die schöpferischen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu betonen, sollte die Aufmerksamkeit auf die kommunikativen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler gerichtet werden. Die Orientierung am Kommunikationsbegriff bringt den Vorteil, dass er Kompetenzen sowohl im Kreativen, wie im Erleben, kritischen Untersuchen und Verbreiten visueller Gestaltungen integriert. Bild als kommunikatives Fach bringt auch einen größeren Nutzen für das künftige Leben und berufliche Tätigkeit der Jugendlichen.
 Bildanalyse und eine aktive Bildarbeit mit aktuellen Medienbildern, zu denen Schülerinnen und Schüler leicht Zugang finden, können einen Grundstock für das Verständnis der Bedeutung von Interpretation und kritischer Analyse legen. Hier lässt sich das Fach öffnen für die Arbeit und die Diskussion über Fragen der Grundwerte.“
Der Lehrplan, der im Herbst 2011 in Kraft tritt, betont aufgrund dieser Expertise den kommunikativen Aspekt stärker als bisher.

Praxis bestimmt die Praxis

Der Vorläufer des Bildunterrichts, der Kunstunterricht, wird von allen Beteiligten vor allem als ein praktischer Unterricht gesehen: es werden Bilder, Texte und Plastiken gestaltet, es werden Modelle gebaut und Gefäße getöpfert, es werden Fotos gemacht und Webseiten entworfen. Die Lehrpläne fordern zwar Theorie und Reflexion in gleichem Umfang; die Praxis ist von gestalterischer Praxis bestimmt. Dies sagt die Erfahrung und zeigt die Umfrage von 2008 in Graz. Auch die Evaluierung des Faches Bild in Schweden hat ein ähnliches Ergebnis gebracht. Und eine Umfrage von 2009 hat ergeben, dass SchülerInnenvor allem Praktisches lernen wollen.
Allerdings: wer entsprechende Fachbegriffe versteht und verwendet, kann bewusster und damit auch meist besser gestalten. Fachbegriffe erleichtern die Kommunikation und das Nachdenken über die bildnerische Praxis. Deshalb: Reflexion und Analyse visueller Gestaltung unterstützen visuelles Gestalten, tragen zur Professionalisierung bei.

Handwerk oder Design

Die Situation der SchülerInnen im Bild/Kunstunterricht ähnelt in vielem der von Handwerkern. Die Aufgabe kommt von außen (LehrerIn), der Zeitrahmen ist vorgegebenen und am Ende beurteilen die AuftraggeberInnen das Ergebnis der Arbeit (Abnahme des Werkstücks). Wie Handwerker können SchülerInnen während der Arbeit gegebenfalls nachfragen, ob das Werkstück so passt. Die LehrerInnen sagen allerdings selten genau, welche Leistungen sie von den SchülerInnen erwarten.
Designer arbeiten anders, nämlich für den Markt. Die Aufgabe (ein Problem) kommt auch „von außen“, aber es gibt keinen Auftraggeber. Der Designer muss sich ihn und seine Bedürfnisse vorstellen. Die Bewertung des Produkts erfolgt über die Nachfrage auf dem Markt. So ist es bei Konsumprodukten und bei medialen Kommunikationsangeboten, von Präsentationen bis zu Webauftritten. Diese Diskrepanz ist eine Herausforderung für den pragmatisch orientierten Bildunterricht - die Unterrichtsmethoden sollten auch außerhalb der Schule "Sinn machen".
Ich sehe hier zwei Ansätze für eine Lösung:
1. die MitschülerInnen werden in die Bewertung immer aktiv einbezogen.
2. Es werden Situationen offen als Simulationen bezeichnet und entsprechend bearbeitet.

Sachlichkeit

Aus der Forderung nach Sachlichkeit ergibt sich, dass jeweils offen gesagt wird, um was es bei einer Aufgabe geht, welche Kriterien eine Rolle spielen und welche Kompetenzen mit der Bearbeitung der Aufgaben erworben werden sollen.

Intuitiv oder systematisch

Üblicherweise lösen SchülerInnen die gestellten Aufgaben intuitiv. Für ein professionelleres Umgehen mit visueller Gestaltung sollte der Arbeitsablauf bei der Arbeit an Aufgaben systematisch gezeigt und durchgespielt werden. Damit implizites auf Erfahrung beruhendes Wissen explizit und so der bewussten Beschäftigung zugänglich werden kann. Hier ein Vorschlag.



Franz Billmayer, 21.4.2011