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Unterrichtsideen und -vorschläge <<< zurück

Während die Bilder mehr und größer werden, werden die Lehrpläne schlanker, d.h. benennen lediglich Kompetenzen und geben weniger Hinweise und Anregungen für den konkreten Unterricht. Hier können Unterrichtsvorschläge Abhilfe schaffen und eine entsprechende Orientierung schaffen.
 
Unterrichtsvorschläge auf bilderlernen.at
Übersicht
Jahrgangsstufen 5 - 8
Jahrgangsstufen 9 - 12




In Fachdidaktiken kommen Unterrichtsideen und -vorschläge höchstens exemplarisch vor (Otto 1969, Kampf-Jansen 2001). Eine Ausnahme machen Daucher/Seitz, die in ihrer „Didaktik der bildenden Kunst“ viele Unterrichtsideen nach Jahrgängen geordnet bringen und deren Buch es zu 12 Auflagen gebracht hat. In diesem Artikel möchte ich diskutieren, warum Unterrichtsideen und -vorschläge in einer Didaktik sinnvoll sein können.

Theorie für die Praxis

Solange ich an der Schule unterrichtet habe, habe mich nur selten oder nie für fachdidaktische Fragen interessiert. Das Fach und auch seine Inhalte, oder was ich dafür hielt, waren mir mehr oder weniger selbstverständlich. Drängend war allerdings jeweils die Frage: Was mache ich in der nächsten Stunde mit dieser oder jener Klasse? Wie gestalte ich meinen Unterricht so, dass die SchülerInnen ihn interessant finden, ich den Lehrplan und die Erwartungen anderer (KollegInnen, SchülerInnen, Eltern) erfülle und die SchülerInnen etwas Vernünftiges lernen. Und dann wollte ich auch noch, dass die SchülerInnen meinen Unterricht aktuell finden. In den Gesprächen mit KollegInnen ging es dann meist darum: Was machst du in dieser oder jener Klasse? Wie läuft das Thema? Passende Unterrichtsideen gelten als die probaten Mittel, seinen Wünschen und Vorstellungen näher zu kommen. Aus der Sicht des praktizierenden Lehrers und der praktizierenden Lehrerin sind Unterrichtsideen und -vorschläge die praktische Seite der Fachdidaktik.

In Unterrichtsideen sind Handlungsempfehlungen, in ihnen wird Fachdidaktik konkret. Diese konkreten Anweisungen werden werden häufig negativ bewertet. Der Vorwurf lautet: die Unterrichtsvorschläge werden einfach automatisch übernommen, ohne Rücksicht auf die jeweilige Unterrichtssituation. Hier werden aber offensichtlich alle Materialien in einen Topf geworfen, Kopiervorlagen bis hin zu differenzierten Aufgabenstellungen. Laut Auskunft von Verlagen verkaufen sich Materialien für den Kunstunterricht hervorragend (Ströter-Bender, S.223). Der Grund liegt vermutlich in einer verbreiteten Unsicherheit, wenn dieses Fach „fachfremd“ unterrichtet wird. Eine Ursache für diese Unsicherheit könnte darin liegen, dass der Kunstunterricht im Gymnasium als diffus und unklar wahrgenommen wird. (SchülerInnen wissen oft nicht recht, worum es geht.) Andererseits: In alten Lehrplänen wurden dezidiert Unterrichtsinhalte oft sogar mit Empfehlungen für den Arbeitsaufwand genannt. Diese Lehrpläne werden in den letzten Jahren von Kompetenzbeschreibungen und Kompetenzmodellen abgelöst. Während die Bilder mehr und größer werden, werden die Lehrpläne momentan schlanker, hier können Unterrichtsvorschläge Abhilfe schaffen und eine entsprechende Orientierung schaffen. Für den Bildunterricht, wie er hier verstanden wird, sind Unterrichtsvorschläge aus zwei Gründen essentiell:
  1. Es gibt kaum Unterrichtsvorschläge, die Bilder von außerhalb der Kunst thematisieren.
  2. Die LehrerInnen haben während ihrer SchülerInnenzeit keinen Bildunterricht erlebt, es fehlen ihnen also entsprechende Erfahrungen.

Die Unterrichtsideen und -vorschlägen konkretisieren das Konzept: die Beispiele machen deutlich, was Bilddidaktik ist und sein kann. Die Beispiele zeigen, was an der Welt der Bilder relevant ist, was gelernt werden kann und wie das geht. An den Beispielen muss sich das Konzept bewähren, an ihnen lässt es sich überprüfen. Neben den Themen zeigen sich in den Unterrichtsvorschlägen auch die Methoden.
Die Unterrichtsideen sollen aber vor allem das Konzept bekannt zu machen und für eine Implementierung in den täglichen Unterricht werben. Inhalte, Themen und Aufgaben, die funktionieren, bei den SchülerInnen auf positive Resonanz stoßen und vom Inhalt her einleuchten, werden immer wieder verwendet werden.

Wie erwähnt, bieten Verlage verschiedenste Materialien für LehrerInnen an,. Diese Bücher und Mappen bestimmen den Unterricht im Ganzen gesehen wohl mehr als kunstpädagogische Konzeptionen aus dem akademischen Diskurs. Dennoch sind diese Materialien selten Gegenstand des kunstpädagogischen Diskurses (Ausnahme Ströter-Bender). Die Idee hinter dieser Ignoranz ist vielleicht der Versuch, die Sache tot zu schweigen. Viele sprechen den Materialien wegen ihrer Trivialität vermutlich jegliche Satisfaktionsfähigkeit ab. (Ähnlich werden die meisten aus der Sicht der Kunst trivialen Bilder ignoriert.)

Anforderungen

Unterrichtsvorschläge sollten verständlich und detailliert formuliert sein. Sie sollen ein Selbststudium ebenso ermöglichen wie einen Unterricht durch LehrerInnen, die Kunstpädagogik nicht im Hauptfach oder gar nicht studiert haben. Aber sie sollen auch ausgebildeten KunstpädagogInnen Anregungen geben. Und sie sollten verschiedene Wege öffnen für Variationen. Für Unterrichtseinheiten stehen unterschiedlich lange Zeiten zur Verfügung. Entsprechend sollten sie einen (minimalen) Kern mit Variationen und Erweiterungsmöglichkeiten in verschiedene Richtungen haben.
Strukturell gesehen sind ausgearbeitete Unterrichtseinheiten immer schon veraltet. Das ist in der Kunstpädagogik nicht sonderlich schlimm, da sich Kunstwerke länger im System halten. Alltägliche Bilder veralten oft recht schnell (Who wants yesterdays papers? haben die Rolling Stones mal getextet). Die Bilder müssen daher beispielhaft sein.

Literatur

Ströter-Bender, Jutta (2008): „Möglichst einfache Hausmannskost“ - Lehrermaterialien für den Kunstunterricht, in: Billmayer, Franz, Angeboten- was die Kunstpädagogik leisten kann, München: kopaed-Verl, 2008. S. 223 - 226




Franz Billmayer, 10.6.2001