bilderlernen.at ist ein Projekt der Bildnerischen Erziehung an der Universität Mozarteum Salzburg         
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Zufall und Glück - wie es zur richigen Bilddidaktik gekommen ist
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Ich werde immer wieder mal gefragt, wie ich zu meiner Auffassung von der "richtigen" Didaktik komme bzw. gekommen bin. Ich frag mich das auch immer wieder. Hier möchte ich kurz darauf antworten. Man sollte zunächst den Text von Josef Mitterer rechts lesen.
 
"5.
Warum vertritt ein Philosoph genau die Philosophie, die er vertritt, und nicht eine andere? Ein Philosoph wird auf diese Frage mit den Vorzügen seiner Philosophie und mit den Irrtümern, Defiziten und Nachteilen der anderen Philosophie antworten.
Seine Antwort ist dabei immer eine Antwort im Nachhinein: Nicht als Realisten, Pragmatisten oder Konstruktivisten haben wir entschieden, welche Philosophie wir wo und bei wem studieren. Erst im Nachhinein, nachdem die Entscheidung für die Philosophie, die wir vertreten, längst gefallen ist, bedanken wir uns bei unseren akademischen Lehrer für ihren Einfluss auf unsere intellektuelle Entwicklung. Ein anderer Studienort, andere Lehrer, und schon wären wir vielleicht statt Analytische Philosophen Transzendentalphilosophen geworden oder umgekehrt.
An einer großen europäischen Universität florieren drei philosophische Schulen nebeneinander: eine phänomenologische, eine analytische und eine an Lacan orientierte Schule. Welcher Richtung sich Studentinnen anschließen, hängt auch davon ab, welche Sprache sie am Gymnasium gelernt haben (Englisch – dann eher analytische Philosophie, Französisch – dann eher lacanistisches Denken), wo und bei wem sie sich Informationen geholt haben, ob sie bereits andere Philosophiestudentinnen kennen, etc. etc.
Die Umstände, die dazu führen, dass ein Philosoph diese Philosophie vertritt und nicht jene, sind kontingent. Eigentlich müssten die Philosophen von Glück reden, dass sie die 'richtige' Philosophie vertreten und nicht die 'falsche'."

Josef Mitterer, Die Flucht aus der Beliebigkeit, Frankfurt Fischers Taschenbuch Verlag, 2001, S.12f

zweimal abgelehnt

Der entscheidende Schicksalsschlag war die zweimalige Ablehnung meiner Bewerbung für Kunsterzieherstudium an der Münchner Kunstakademie 1973 und 1974. Trotz intensiver Vorbereitung war es mir nicht gelungen, zur Aufnahmeprüfung zum Sommersemester 1974 zugelassen zu werden. Deshalb habe ich mich für die 2. beste Wahl ein Lehramtsstudium für Deutsch mit Geschichte und Sozialkunde an der Uni München entschieden.

Germanistik

Damals war in den literaturwissenschaftlichen Proseminaren der Strukturalismus angesagt, in den sprachwissenschaftlichen bin ich vor allem auf die Semiotik gestoßen. Ich habe ein Proseminar zum Thema „Trivialliteratur“ mitgemacht und etwas über Western geschrieben. Und wir haben Vorlesungen zur Erzähltheorie am Beispiel der Kinderfunks des Bayerischen Rundfunks gehört; Schwerpunkt „Meister Eder und sein Pumuckl“ bei Klaus Kanzog. Auch Grammatiktheorie habe ich mit Begeisterung gehört. Anfang der 1970er gehörten Italowestern zu meinen Filmfavoriten.

Nach vier ernsthaft studierten Semestern habe ich dann noch einmal ein Sommersemester für den dritten Versuch an die Akademie zu kommen investiert. Es hat in einer „freien“ Klasse geklappt (Robert Jakobsen). Parallel hab ich dann auch Kunstpädagogik studiert und mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen. Mein abgebrochenes Germanistikstudium hat mich vergleichsweise theoretisch auf die Welt schauen lassen.

Daher resultiert mein Interesse für Medien- und Kommunikationstheorie und natürlich an der Semiotik.

Schweden

Anschließend bin ich mit einem DAAD-Stipendium nach Nordschweden gegangen und hab dabei leidlich Schwedisch und Anfang der 1980er Lars Vilks kennen gelernt.

Das hat mir einerseits schon sehr früh eine gewisse kritische Haltung zum Kunstsystem (art world) eingebracht. Durch Vilks bin ich sehr früh auf Danto und Dickie aufmerksam geworden. Die Sprachkenntnisse haben mir später den Zugang zur schwedischen Bilddidaktik ermöglicht, die pragmatischer ist als die mitteleuropäische und sich deutlich am Bild orientiert (Gert Z. Nordström). Hier sind die Bilder der Kunst nur ein kleiner Teil dessen, worum es im Fach Bild geht.

Nach der Zeit in Schweden ist es nichts geworden mit der erhofften künstlerischen Karriere. Zum Glück für die richtige Bilddidaktik habe ich statt eines Jobs im Messebau eine Stelle als Referendar bekommen. Und bin Kunstlehrer geworden.

Abfall

Die Wandlung vom Paulus zum Saulus war nicht plötzlich, sondern hat ziemlich lang gedauert, die Saat des Germanistikstudiums und der Kunstkritik von Vilks ist sehr langsam aufgegangen. Langsam ist aus einem Kunstgläubigen ein Bildenthusiast geworden.

Die Entwicklung lässt sich an meinen Publikationen ablesen.

Leute

Wichtig war sicher meine Tätigkeit an der Universität Paderborn neben Helga Kämpf-Jansen.
Dann kamen die Bücher von Wolfgang Ullrich und Christian Demand und weitere, die mich in meiner Überzeugung bestätigten und mir viele Argumente lieferten. 

Nische

Mit meiner Kritik an der Kunstorientierung – der größte Ausrutscher war eine LehrerInnenfortbildung, die ich unter dem Titel „Kunst verhindert guten Unterricht“ angeboten habe – habe Aufmerksamkeit bekommen. Sie ist quasi ein bisserl zu meinem Markenzeichen geworden, entsprechend ist mein Fokus auf die Welt und die Kunst.

Die Aufgabe als Fachdidaktikprofessur an der Universität Mozarteum, das Fach von den SchülerInnen und der Gesellschaft her zu denken, hat das ihrige zu dieser Bilddidaktik beigetragen.

 




Franz Billmayer, 28.8.2012