bilderlernen.at ist ein Projekt der Bildnerischen Erziehung an der Universität Mozarteum Salzburg         
home  aufgaben  forschung  theoretisches  methoden  bilder  mehr bilder  historisches  tipps  links  mehr links

Ziele des Bildunterrichts <<< zurück

Hier werden die Ziele des Bildunterrichts kurz dargestellt.
 
zurechtkommen
In der visuellen Welt zurechtkommen meint, sich orientieren zu und aktiv teilnehmen können. Aktiv teilnehmen = Einfluss auf die Konstruktion der sozialen Wirklichkeit nehmen, d.h. diese (mit)gestalten.
visuelle Kultur
Es wird derzeit häufig vorgeschlagen "Visual Culture" als Grundlage für den Kunst/Bild-Unterricht zu verwenden. Damit soll der Blick über das traditionelle Bild und die Kunst und die Verantwortung des Faches auf die visuelle Welt insgesamt erweitert werden. Momentan sind auch andere Begriffe und mit ihnen unterschiedliche Blickwinkel auf diese Erscheinungen im Umlauf (im deutschsprachigen Raum etwa die Bildwissenschaften). Es ist noch nicht klar, wer oder was sich durchsetzen wird. Ein Zeichen dafür, dass dieser Bereich als einflussreich angesehen wird. Aus meiner Sicht ist visuelle Kultur einerseits zu allgemein andererseits von bestimmten Theorien besetzt. Sie gehört auf alle Fälle zum Feld, ich würde mich derzeit aber nicht "einseitig" darauf festlegen.


Der Bildunterricht als Teil der Schule soll den SchülerInnen helfen in der Welt der visuellen Gestaltung (visuelle Kultur) zurechtzukommen. Diese Forderung geht vermutlich über die "visuelle Literalität"hinaus; dennoch ist diese in der allgemeinbildenden Schule das vordringliche Ziel. Literaltität ist nützlich im Alltag, beim Lernen in der Schule und später im Beruf.
Gegenstand des Unterrichts ist die Welt/Wirklichkeit (im Sinne des Konstruktivismus), die mit Hilfe von Bildern und visueller Gestaltung generell konstruiert wird. Das meint mehr als Kommunikation.
Bilder zeigen das, was sie zeigen, immer auf eine bestimmte Art und Weise. Die Interessen des Herstellers, des Verwenders und des Betrachters bestimmen, diese Sicht, diesen Blick. Visuelle Kompetenz muss diese politische Seite des Sehens der Welt verstehen und durchschauen und sie beim Gestalten von Zeichen und Botschaften berücksichtigen können - auch im Sinne von Selbstreflektion.
Bildbasierte Unterhaltungsangebote (Filme, Computerspiele, Simulationen, Themenparks) beeinflussen unsere Weltkonstruktion - hier handelt es sich meines Erachtens nicht um Kommunikation sondern um Produkte und Dienstleistungen mit dem Ziel der Unterhaltung! Wenn viele Menschen ähnliche Produkte und Dienstleistungen für Unterhaltung verwenden, dann bilden sie gemeinsame Wirklichkeiten, d.h. gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen, auf die man sich beziehen kann, wie auf die "echte" Welt. Oder: die weltweite Verbreitung der Office-Programme führt dazu, dass wir alle unsere Daten ähnlich strukturieren und verwalten müssen. Hier haben wir eine visuelle Welt, deren "Existenz" sich dem gemeinsamen Gebrauch von so genannten Konsumgütern und nicht der Kommunikation und auch nicht genuin einem Zeichengebrauch verdankt. Jeansträger erwerben ein ähnliches Körpergefühl.

Wie und unter welchen Bedingungen eine derartige Welt zustande kommt, ist Gegenstand einer Schule die sich der Allgemeinbildung und der Aufklärung verpflichtet fühlt. Und nochmal: soziale Kommunikation und Medien sind wichtige Parameter bei der Konstruktion dieser Wirklichkeit.







Franz Billmayer, 15.4.2011, zuletzt geändert 16.4.2011