bilderlernen.at ist ein Projekt der Bildnerischen Erziehung an der Universität Mozarteum Salzburg         
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Methode: Skizzen, Alternativen, Varianten

Im Kunstuntericht ist es üblich, dass eine Aufgabe mit einer Arbeit "gelöst" wird. Damit sind immer einige früher fertig als die anderen, die einen stören die anderen beim Arbeiten, das ergibt oft Disziplinprobleme. Vor allem entsteht hier aber ein falsches Bild davon, wie in der Kunst und in anderen professionellen Bereichen gearbeitet wird. Der Bildunterricht will ein authentischer (lebensnaher) Unterricht sein: es werden zu einer Aufgabe immer mehr Arbeiten gemacht.

Die Idee

  • Eine Aufgabe formuliert ein Problem, das mit mehreren Arbeiten bearbeitet wird. Schnelle arbeitende geben mehr andere weniger Arbeiten ab. Man wird nicht "fertig", sondern arbeitet eine entsprechende Zeit an der Aufgabe; dann kommt die nächste.
  • Gestalten heißt entscheiden: in Skizzen und Versuchen werden verschiedene Lösungen ausprobiert. Am Ende werden eine oder mehrere Lösungen ausgeführt
  • verschiedene Medien: Medien und Techniken beeinflussen die Wirkung von Bildern. Ein Thema wird in verschiedenen Techniken behandelt. (Bleistift, Foto, Kreide, Aquarell, Druck, Ton, Styropor ...)
  • verschiedene Zwecke: außerhalb der Schule werden Bilder für bestimmte Zwecke hergestellt. Diese Zwecke erfordern unterschiedliche Gestaltungsformen, sie unterliegen jeweils eigenen Genreregeln. z.B. ein Apfel für eine Saftverpackung, eine Glückwunschkarte, ein Sortenbuch, eine Memorykarte, eine Produktwerbung, eine Kunstausstellung, eine Papierserviettendekoration, ein Fruchtjoghurt ....
  • Varianten: Farbe, Bildaufbau, Betrachterstandpunkt, Kontext, Beleuchtung, Format, Bildausschnitt, Größe ....
  • Motive: Manche Aufgaben können mit unterschiedlichen Motiven gelöst werden: z.B. Symbolbilder (die etwa für Produktverpackungen, Buchtitel oder Werbung verwendet werden), Ansichtskarten, Diagramme, Illustrationen, Produktwerbung,
  • Am Ende werden die Ergebnisse in einer Mappe zusammengestellt, vom Autor kommentiert (wie wirken die Arbeiten? Wie und warum sind Entscheidungen getroffen worden) und selbst evaluiert (was ist besonders gelungen, was könnte verbessert werden ...)
  • Auch Mitschüler können kommentieren und evaluieren. Ideal wäre es hier, wenn diese die genauen Absichten der Autoren nicht kennen. Damit wird eine lediglich nach "gut" oder "schlecht" ausgerichtete Kommentierung und Evaluierung vermieden. Es wird vielmehr sichtbar, wie die Gestaltung jeweils "verstanden" wird.

Warum

So wird in professionellen und privaten Zusammenhängen (Kunst, Design, Layout, Architektur, Einrichtung, Wissenschaft ...) gearbeitet (authentisches Lernen)
  • Bilder werden als das Ergebnis von Entscheidungen verstanden.
  • Alternativen fordern Denken, Vergleichen, Entscheiden und Argumentieren.
  • Bilderformen werden als das Ergebnis von Zwecken und Zielen sichtbar und verstanden.
  • Der mediale Charakter von Bildern (Werkzeuge, Mittel) wird bewusst.
  • Einflüsse von Medium und Technik auf die Bildwirkung werden sichtbar und bewusst.

Wie

  • Die Unterrichtseinheit hat ein mehr oder weniger einheitliches Thema. (Themenvorschläge siehe rechts)
  • Die Auftraggeber formulieren den Auftrag schriftlich. Die Auftragnehmer können bei Verständnisschwierigkeiten nachfragen; daraufhin wird der Auftrag entsprechend anders formuliert. So werden beide Seiten gezwungen, sich genau zu überlegen, was sie vorhaben.
  • Die Aufträge werden durch Los verteilt.
  • Die Vorschläge werden von den Auftragnehmern präsentiert und von den Auftraggebern kommentiert. Wichtig: grundsätzlich sollten alle Lösungen praktikabel sein.


1 Haanstra, F. (2009), 'Freizeitkunst' und Schulkunst. In C.-P. Buschkühle, J. Kettel & M.Urlass (hgg.). (p. 489-508). Oberhausen: Athena Verlag.

Mögliche Themen    

Diese "Methode" sollte für die praktische bildnerische Arbeit grundsätzlich angewendet werden.
  • Relaunch von Logos, Werbung, Marken, Schulbuchlayout (Beispiele >>>>) Vorteil von Relaunches: Es ist schon etwas da, an das man sich halten kann / muss.
  • Produktverpackungen >>>>
  • Fotoreportagen
  • Porträtfotografien
  • Produktfotografien
  • Ansichtskarten
  • Layout
  • Plakate
  • Produktdesign (Autoscheinwerfer >>>>
  • Architekturentwürfe
  • Dekorationen
  • Einladungen (>>>>)
  • ......






































Aufgabe (Entwurf Uli Schuster): Entwickeln und Anwenden von Farbkonzepten, um Stimmungen auszudrücken (kombinierte Aufgabe). 1. Recherche:  Suche aus verschiedenen Quellen wie Reiseprospekten, Kunstbüchern oder Internet farbige Bilder mit prägnanten Darstellungen einer bestimmten Wettersituation. Lege damit eine kleine, sinnvoll geordnete Sammlung an, in der auch die Quellen (Fundstelle, ggf. Autor und Bildtitel) dokumentiert sind... Fortsetzung in Kunst + Unterricht Nr. 341, 2010 .


Franz Billmayer, 15. Mai 2013
zuletzt geändert 21.8.2014