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Gebrauch der Bilder

Ein grundlegende Methode für die Untersuchung von Bildern und verwandten Erscheinungen im Rahmen des Bildunterrichts




Ausgangsfrage
Wie werden Bilder oder allgemein Gestaltungen verwendet?

weiterführende Fragen I
Welche Probleme werden mit einem Bild oder einer Gestaltung gelöst?
Welche Probleme versucht der Bildrezipient mit einem oder mehreren Bildern zu lösen?
Welche Probleme versucht der Bildproduzent oder Bildverwender (Bildverteiler) mit einem oder mehreren Bildern zu lösen?

weiterführende Fragen II
Warum eignen sich Bilder für diesen Gebrauch, für diese Problemelösung?
Welche Eigenschaften von Bildern/Gestaltungen machen diesen Gebrauch möglich?




Traditionen Der traditionelle Unterricht in Bildnerischer Erziehung oder Kunsterziehung, auf den sich der Bildunterricht bezieht, hat überwiegend oder oft ausschließlich das einzelne Kunstwerk (Bild?), dessen Formulierung und Botschaft im Auge. Fragen der Bildverwendung werden nur am Rande behandelt. (Ausnahmen siehe Sowa).

neuer Fokus Bildpragmatik etabliert sich gerade als ein Zweig der Bildwissenschaft auf dem Fundament der Pragmatik.
Bei der Methode "Gebrauch der Bilder" sollen die Fragestellungen der Pragmatik genutzt werden, um einen neuen Blick auf die Bilder zu gewinnen und Schülerinnen und Schülern auf diese Aspekte aufmerksam zu machen, sie generell auf Fragen und Probleme im Bereich der Bilder neugierig machen. Ich verspreche mir auch eine distanzierte und kritische Sicht auf die Bilder insgesamt.

für alle Altersstufen Nachdem wir alle Bilder verwenden, kann die Beschäftigung mit dem Gebrauch von Bildern schon in der ersten Jahrgangsstufe beginnen. Diese Methode ist grundlegend, weil sie einen in der Tradition der Kunstpädagogik bisher vernachlässigten Fokus anbietet. Keineswegs soll sie traditionelle Formen der Beschäftigung mit dem Bild völlig verdrängen.




Wie? Die Fragestellung lässt sich sehr gut als Ästhetische Forschung angehen.
Grundsätzlich sind mehrere unterschiedliche "Eröffnungen" möglich:
von einem konkreten Bild aus
Ein Bild wird daraufhin untersucht, was wir und andere damit machen.
1. Wo ist es? Bei welchen Gelegenheiten wird es betrachtet oder hergezeigt? Wie wird es verwahrt? Wie wurde es bisher verwendet? Wie wird es möglicherweise in Zukunft verwendet werden?
2. Welche Probleme werden/sollen mit den Bild gelöst werden?
3. Welche anderen Bilder werden für gleiche oder ähnliche Probleme verwendet? (Hier sollte eine umfangreiche Sammlung entstehen.)
4. Mit welchen anderen Mittel (keine Bilder!) lassen sich diese Probleme lösen? (besser? genauso gut? schlechter?)
5. Welche Eigenschaften machen gerade Bilder im Allgemeinen oder ein Bild im Besonderen für die Verwendung geeignet?
von einem Problem aus
1. Es werden bestimmte Problemfelder genannt und Bilder gesammelt, die in diesen Zusammenhängen zum Problemelösen herangezogen werden.
Beweis, Gedächtnis, Dekoration, Unsichtbarkeit, Aufmerksamkeit, Geschenk, Orientierung, Kommunikation, Information, Abwesenheit und und und...
2. Beschreiben, wie die Bilder verwendet werden. Welche Bilder werden verwendet (Medium, Herstellungsweise, Größe &c.)
dann weiter bei Frage 4 oben
von einem Bildtyp aus
1. Es werden Bildtypen (Medien, Produktions- und Distributionstechniken) oder Bildgenres (Porträt, Stillleben, Dokumentarfoto) daraufhin untersucht, wo sie vorkommen und wie sie verwendet werden.
2. Welche unterschiedlichen Probleme werden mit diesem Bildtyp/Bildgenre gelöst?
dann weiter bei Frage 4 oben
von einer konkreten Situation aus
1. Bestimmte räumliche oder soziale Situationen werden hinsichtlich der Bildverwendung beschrieben. (Büros, Bauwägen, Kinderzimmer, Wohnungen, Restaurants, Arztpraxen, Schaufenster, Hochzeiten, Kindergeburtstage, Schulveranstaltungen, Biologieunterricht, Spiele, ....)
2. Wie werden die Bilder verwendet?
weiter bei Frage 4
von einer Bildpraxis aus
1. Konkrete Verwendung oder Umgang mit Bilder wird beschrieben (Bilder mit dem Mobiltelefon verschicken, Bilder rebloggen, Bilder sammeln, Bilder zerstören, im Urlaub fotografieren, mit Bildern träumen)
2. Wie werden die Bilder verwendet?
3. Welche Bilder werden hier jeweils verwendet?
4. Was macht sie für die jeweilige Praxis besonders geeignet? Welche inhaltlichen und formalen Gegebenheiten spielen hier eine Rolle?
weiter oben bei Frage 4




Beispiele
Hier folgen kurze Beispiele, wie ein Bildunterricht aussehen könnte.
Über Nachrichten, Erfahrungen und Dokumentationen tatsächlich durchgeführter Beispiele freue ich mich. franz.billmayer@moz.ac.at

Kinderzeichnung
Für die Kinderzeichnung bietet Hubert Sowa gute Anregungen, drum hier nur einige mögliche Erweiterungen:
Warum eignen sich (Kinder)Zeichnungen als Geschenke?
Mögliche Antworten: zeitlicher Aufwand, kostet nichts, eigene Arbeit, Zeitopfer, "persönliche" Botschaft, Ausdruck, Ähnlichkeit mit Kunstwerken, es zeigt den Entwicklungsstand, speziell für den Beschenkten hergestellt....
Welche Alternativen gibt es zum Herschenken von Kinderzeichnungen?
Jede Form von anderen Geschenken ...
Welche anderen Bilder eignen sich dafür? Warum?
Kunstwerke (kulturelles Ansehen, ideeller Wert, materieller Wert), Bilder mit spezifischen Themen (Zusammenhang zwischen Interessen des Beschenkten und Bild - persönlich), Fotografien des Beschenkten oder des Schenkers (persönlich)...
Welche eignen sich nicht oder nicht so gut? Warum?
Zeitungsausschnitte, Reklameseiten aus einer Illustrierten, eine Fotokopie der Kinderzeichnung (kein Arbeitsaufwand, geringer Wert) ....
Was macht Bilder als Bilder dafür geeignet?
Ähnlichkeit zwischen Bild und Abgebildetem, Produkte, Sichtbarkeit, konventioneller Umgang ....

Problembereiche
Verkehr regeln, schmücken, dekorieren, unterhalten, sich langweilen, sich mit anderen verständigen, glaubwürdig sein, Aufmerksamkeit erregen, vergessen, erinnern, lernen, verkaufen, überzeugen, beweisen, schenken, Territorium behaupten, nicht sehen können, Versuche machen, nicht anwesend sein, Wetter vorhersagen, und und und und und ...

Orte und Gelegenheiten
Büros, Kinderzimmer, Restaurants, Schulbücher, Kirchen, Bauwägen, Wartezimmer, Behandlungszimmer, Fotoalben, Schaufenster, Reiseführer, Supermarkt, Friedhöfe, Zeitungen, Tourismus, Familie, Verkehr, Hochzeit, Freundschaft, Medizin, Museen, Schule, Flughafen, Pilze sammeln und und und und

Bildarten
Zeichnungen, Pläne, Fotografien, Zeitlupe, Zeitraffer, Filme, Videospiele, Siebdruck, Fotokopien, Malereien, Dekorfolien, Radierungen, CAD, Trickfilm, Röntgenfotografie ....




links
Literatur
Hubert Sowa:  Bildhandeln, Bildgebrauch, Bildspiel (Bildpragmatische Aspekte der Kinderzeichnung)
Klaus Sachs-Hombach (Hrsg.): Bildhandeln
Mit Bildern gegen Energieverschwendung





Franz Billmayer, 4.5.2007
zuletzt geändert 28.6.2016