bilderlernen.at ist ein Projekt der Bildnerischen Erziehung an der Universität Mozarteum Salzburg         
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Methode: Sammeln

Sammeln bezeichnet eine Art des Nahrungserwerbes zu Beginn der Menschheitsgeschichte. Heute bezeichnet es meist die systematische Suche, Beschaffung und Aufbewahrung von Dingen oder Informationen. In den Industrieländern ist Sammeln eine ideelle Beschäftigung geworden. Institutionalisiertes Sammeln besteht im Anlegen eines Fundus in Museen, Bibliotheken oder Archiven.
Sammeln ist etwa in der Biologie, Archäologie oder Geologie eine wichtige Methode des systematischen Wissens- bzw. Informationserwerbs.
Sammeln in der Kunstpädagogik: Helga Kämpf-Jansen

Als Bildpädagoge verstehe ich Kinder nicht als Künstler, die die visuelle Welt jeweils neu erfinden (müssen). Im Gegenteil, Schüler orientieren sich wie Profis daran, was andere schon gemacht haben, gleich ob in der Kunst, in der visuellen Kommunikation oder sonst wo.
Dazu sammeln die Schüler passendes Material analog in einem Portfolio oder einer Schachtel oder digital als Bildersammlung (die Kamera ist die Botanisiertrommel des Beobachters der visuellen Kultur). Beide Medien habe Vor- und Nachteile:
  • eine analoge Sammlung lässt sich großflächig im Raum platzieren, damit gewinnen wir einen schnellen Überblick über die ganze Sammlung. Sie einzelnen Sammlungsstücke lassen sich leicht umgruppieren und anders ordnen. Aber sie braucht Platz, ist umständlich zu transportieren und sie besteht aus realen Dingen, die eventuell Geld kosten ... und: nicht alles, was der Sammler gern in seiner Sammlung hätte, ist zu bekommen.
  • eine digitale Sammlung ist einfach aufzubewahren, leicht zu transportieren und gut zu verwalten. Mit Bilder lassen sich auch Gegenstände einverleiben, die einem nicht gehören oder die sich nicht bewegen lassen. Die Sichtung und Betrachtung ist aber durch den Bildschirm begrenzt. Eine umfangreiche Sammlung lässt sich nicht so leicht überblicken. Intuitives Umordnen geht (derzeit?) nicht so einfach.

Kategorien und Begriffe

Sammler treffen beim Sammlen Entscheidungen: was passt zu meiner Sammlung, was gehört nicht dazu. Sie beobachten ihre Umgebung mit der Brille ihres Interesses. Zwangsläufig bilden die Schüler Urteile, Kategorien, auf denen die Urteile basieren, und Begriffe. Wer Phänomene der visuellen Kultur sammelt, lernt allein dadurch schon viel über diese Kultur. Er erwirbt sich eine entsprechende Sichtweise. Im Unterricht denken sie darüber nach, wie sie beim Sammeln vorgehen: Sie lernen durch Denken.

Ordnen

Die Schüler ordnen ihre Sammlung nach verschiedenen Kriterien (Farbe, Größe, Schönheit, Motiv, Material, Schriftart, Funktion, Zielpublikum, Form ...). Jedes Kriterium eröffnet zwangsläufig eine andere Sicht auf die  Sammlung. Neben den angeführten gängigen verwenden die Schüler auch unerwartete Kriterien.

Zweck

Sammlungen bilden die Grundlage für bildnerisch-praktisches wie theoretisch-reflektierendes Arbeiten im Bildunterricht.

  Hermann Kern: Der Botaniker (mit Botanisiertrommel), 1908
H. Kern: Der Botaniker mit Botanisiertrommel, 1908

Schmetterlingssammlung Naturalienkabinett Waldenburg Sachsen
Schmetterlingssammlung im Naturalienkabinett Waldenburg in Sachsen (CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=302548)





































Franz Billmayer, 23.12.2016