bilderlernen.at ist ein Projekt der Bildnerischen Erziehung an der Universität Mozarteum Salzburg         
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Methode: der 2. und 3. beste Entwurf

Auftraggeber von Designprodukten - Konsumgütern, Werkzeugen, grafischen Gestaltungen - erwarten von den beauftragten Designern mehrere Entwürfe - in der Regel wenigstens drei - zur Auswahl.Dabei muss es sich um echte Alternativen, nicht lediglich um kleine Varianten handeln. Die ausgeschiedenen Vorschläge bekommen wir normalerweise nicht zu sehen. Für den Designer gilt: alle drei Entwürfe müssen so gut sein, dass sie funktionieren und sein Renomee nicht gefährden. Sie müssen mehr oder weniger gleich geeignet sein. Die SchülerInnen sollen die Entwürfe, die beim Kunden durchgefallen sind, erfinden, konzipieren und realisieren. Eine ähnliche Methode.

Die Idee

  • Die SchülerInnen arbeiten in Gruppen oder individuell.
  • Sie suchen sich - nach Rücksprache mit der LehrerIn - ein Produkt aus, zudem sie die entsprechenden Alternativen entwickeln wollen. 
  • In einem ersten Schritt formulieren die SchülerInnen aufgrund des Produktes möglichst genau, welche Wirkungen beim Publikum erzielt werden sollen.
  • Sie suchen nach Alternativen, die ähnliche Wirkungen und Interpretationen auslösen können.
  • Es werden wenigstens zwei dieser Alternativentwürfe konzipiert und entsprechend (Zeitbudget, technische Möglichkeiten &c.) realisiert. Denkbar ist: zwei Konzepte davon eines realisiert.
  • In begleitenden Texten oder Präsentationen erläutern die SchülerInnen ihre Gestaltungsabsichten.

Warum

Diese Vorgehensweise entspricht in etwa den Umständen, wie in der Wirtschaft verfahren wird (authentisches Lernen)
  • Es werden die in der Kunstpädagogik gängigen Forderungen nach subjektivem Entscheiden vermieden. "Die SchülerInnen müssen die Welt nicht neu erfinden." Das vorhandene Produkt bietet Anhaltspunkte für die Arbeit. Dennoch gibt es keine vorgegebenen Lösungen - grundsätzlich sind viele verschiedene Lösungen möglich.
  • Alternativen fodern Denken, Vergleichen, Entscheiden und Argumentieren.
  • Schriftliches Formulieren trainiert den Einsatz der Fachsprache.

Wie

  • Die Unterrichtseinheit hat ein mehr oder weniger einheitliches Thema. (Themenvorschläge siehe rechts)
  • Die semantische Produktanalyse wird durch den Entwurf alternativer Formulierungen angeregt und gleichzeitig evaluiert.
  • Die Entwürfe werden der ganzen Gruppe präsentiert, so werden Fragen der Produktkommunikation und der Kommunikation mit produkten  aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

1 Haanstra, F. (2009), 'Freizeitkunst' und Schulkunst. In C.-P. Buschkühle, J. Kettel & M.Urlass (hgg.). (p. 489-508). Oberhausen: Athena Verlag.

Mögliche Themen    

  • Relaunch von Logos, Werbung, Marken, Schulbuchlayout (Beispiele >>>>)
  • Produktverpackungen >>>>
  • Fotoreportagen
  • Porträtfotografien
  • Infografiken
  • Produktfotografien
  • Werbespots
  • Buchcover - eventuell im Rahmen einer Lektüre im Fach Deutsch
  • Ansichtskarten
  • Layout
  • Plakate
  • Produktdesign (Autoscheinwerfer >>>>)
  • Architekturentwürfe
  • Dekorationen
  • Einladungen (>>>>)
  • Medienanalysen Internetseiten, Zeitschriften, Schulbücher (hier gibt es natürlich nur ein Produkt)
  • ......
  • Selbstverständlich kann mit dieser Methode auch über Kunstwerke gearbeitet werden: Kunstwerke, die die GaleristInnen nicht ausgewählt haben, Alternativen, die die KünstlerInnen verworfen haben ...



































Franz Billmayer, 19. Februar 2013