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Die ästhetisch erzeugte Wirklichkeit als Grundlage einer integrativen Theorie der Kunsterziehung

In diesem Text versuche ich einen Ansatz, der die Kunst- oder besser Bildpädagogik theoretisch so erweitert, dass traditionelle Inhalte ebenso Platz haben wie diejenigen, die jetzt erforderlich sind..

0.
Vorbemerkung:
Kunstdidaktische Publikationen und Vorträge ähneln sich häufig in ihrer Struktur. Zunächst wird der mehr oder weniger desolate Zustand des Faches bzw. des Unterrichts an die Wand gemalt und das Fach als (hoch) gefährdet dargestellt, um dann zu zeigen, dass mit dem neuen Ansatz, mit der neuen Theorie alles besser wird. Je schwärzer der gegenwärtige Zustand erscheint, desto leuchtender kann sich die Autorin bzw. der Autor als Lichtgestalt präsentieren (1). In dieser Hinsicht folgt mein Text dem bewährten Muster.

1.
Beobachtung I
Im Kunstunterricht werden aus naheliegenden Gründen (2) Gegenstände und Themen behandelt, die "gut laufen". Was nichts anderes bedeutet, als dass die Schülerinnen und Schüler im Unterricht relativ gut und relativ motiviert mitmachen und die Ergebnisse sich mehr oder weniger sehen lassen können, in Schulausstellungen, bei den Eltern und bei den Schülern selbst. Im Laufe eines Berufslebens entwickeln Kunsterzieherinnen und Kunsterzieher einen Fundus an bewährten Themen, Inhalten und Methoden, die beibehalten werden, solange sie nur "halbwegs laufen" (3). Wer die Ergebnisse aus dem Kunstunterricht an den Wänden der Schulen sieht, ist von deren Zeitlosigkeit seltsam berührt. Der Unterricht beruht vor allem auf Traditionen und Erfahrungswissen, aktuelle fachdidaktische Theorien haben einen eher geringen Einfluss. Aus der Sicht vieler Fachdidaktiker, die das Geschehen aus der universitären Distanz betrachten, erweist sich der Kunstunterricht als eigenartig immun gegen Veränderungen (4). Andererseits hat die veröffentlichte und gelehrte fachdidaktische Theorie in den Augen der Praktiker an den Schulen wenig mit der Unterrichtswirklichkeit zu tun. Den Vorschlägen, die in der fachdidaktischen Diskussion gemacht werden, misstrauen Lehrerinnen und Lehrer, weil sie möglicherweise nicht gut laufen, weil institutionelle Hindernisse im Weg stehen, weil sie anscheinend oder tatsächlich mit einem großen Zeitaufwand verbunden sind.

2.
Beobachtung II
Aufgabe der Schule ist es, bei Kindern und Jugendlichen Kenntnisse, Einstellungen und Verhaltensweisen zu erzeugen, die diese befähigen in der Welt zurechtzukommen (5). Wenn sich die Welt ändert, muss bzw. müsste die Schule sich auch ändern. Die Medien und der öffentliche Diskurs thematisieren die Veränderungen der Welt und die Probleme, die sich daraus ergeben: rasante Entwicklung der Telekommunikation, weltweite Vernetzung der Wirtschaft, zunehmende Gestaltungsmacht global operierender Unternehmen, Übergang von der Produktions- zur Informationsgesellschaft (6). Die Medien lassen uns die Veränderung der Welt momentan als dramatisch erleben. Die Frage, wie wir auf die Probleme reagieren sollen, bestimmt große Teile der politischen Debatte. In ihr spielt die Vorstellung, dass Bildung und berufliche Qualifikation entscheidende Ressourcen sind, eine herausragende Rolle. Die Bildungsdebatte der 90-Jahre ist eine Folge bzw. ein Teil dieser Debatte. Vertreter der Wirtschaft und der Politik reden dabei vor allem von Informatik und neuen Medien bzw. Computern, von der Mathematik, zusätzlichen Fremdsprachen und generell vom "Neuen Lernen"... Niemand spricht von den Bildern, dabei spielen Bilder und bildbasierte Medien (7) und die sogenannte Ästhetisierung unserer Umwelt eine herausragende Rolle bei der Konstruktion der individuellen und sozialen Wirklichkeit. Und so kommt das einzige Fach, das die Bilder und die ästhetische Umwelt zum Gegenstand hat, in der Bildungsdebatte nicht vor (8).

Wenn die Schule ihre Aufgabe ernst nimmt, dann muss sie dafür sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen sich mit den Bildern und der von ihnen generierten Welt beschäftigen.

3.
Beobachtung III
Die Ergebnisse aus dem Kunstunterricht, denen man auf den Gängen der Schulen begegnet, haben wenig mit der ästhetischen Welt der Kinder und Jugendlichen zu tun. Eine Umfrage zur Situation des Kunstunterrichts, die wir im Herbst 2000 durchgeführt haben (9), hat etwa für die 10. Jahrgangsstufe folgende Themen und Gegenstände ergeben:

  • "Ich sehe was, was du nicht siehst"
  • Weiterzeichnen nach C.D. Friedrich
  • Ytong-Stein
  • Selbstdarstellung – Übermalung,
  • Selbstporträt
  • Zeichnen
  • Linolschnitt
  • großformatige Malerei
  • Sachzeichnen – Schädel
  • Kunst + Mode
  • Collage, Frottage, Wasserfarben, Bauen mit verschiedenen Materialien, Speckstein, Ton

Symptomatisch ist, dass in der Sendung des Bayerischen Fernsehens zur Kunstpädagogik vom Herbst 2000 hauptsächlich Grundschüler vorkommen, der Oberstufen-Kunsterzieher im Hauptberuf ein erfolgreicher Lebensmittelunternehmer ist, die Begriffe Bild und Medium nicht erwähnt werden. Wenn man der Aussage dieses Berichts folgt, dann geht es im Kunstunterricht hauptsächlich darum, Kreativität zu entwickeln und zu fördern.

4.

m Zimmer einer 16-jährigen weben über 120 verschiedene Bilder ein komplexes Netz von Bedeutungen und Zusammenhängen. 73 Ansichtskarten und Ausschnitte aus Zeitungen und Zeitschriften stehen 50 privaten Fotos gegenüber.

Über die Einrichtung beeinflusst sie ihre Wahrnehmung und darüber ihre Gefühle mit dem Ziel, sich wohl zu fühlen. Das Arrangement der Bilder ordnet die Welt. Die verschiedenen Lebenszusammenhänge haben ihre jeweiligen Orte. So geschieht Denken mit Hilfe von Bildern durch "Verräumlichung". Mit Hilfe der Bilder setzt sie ihre Imagination in Gang und steigt in Tagträume ein. Allein aus dem Nebeneinander der verschiedenen Bilder ergeben sich beim Betrachten neue Zusammenhänge und Bedeutungen. Die Bilder und ihre Anordnung verändert die Bewohnerin laufend und arrangiert so immer wieder neue Zusammenhänge. Mit ihnen baut sie sich ihre Identität auf. Sie wandert zwischen den einzelnen Gegenständen und Bildern hin und her und kommt so immer wieder auf neue Gedanken. Mit der Einrichtung betreibt sie Situationsmanagement (10), bekräftigt ihre momentane Identität und erfindet neue Welten. Mit Begriffen wie "visuelle Kommunikation" werden wir diesem Phänomen nicht gerecht.


5.
Bilder kann man aufhängen oder nicht. Das lässt sich nach dem Schema interpretieren, das hat sie ausgewählt und aufgehängt, also ist sie so und so. Im semiotischen Sprachgebrauch haben wir ein Symptom vor uns... (11)  Studierende der Universität Paderborn konnten dieses Zimmer ohne Nachdenken einem Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 zuordnen. Die Bilder und die Einrichtung richten sich nicht nur "selbstreflexiv" an die Bewohnerin selbst, sondern auch an mögliche Besucher. So ist die ästhetisch gestaltete Umwelt immer auch ein Kommunikationsangebot (12).


6.
Die Massenmedien machen Angebote zur Orientierung.

Die Ähnlichkeit von Steffi und ihrem Freund mit den beiden Zeitschriftenbildern von Claire Danes und Curt Cobain ist mehr als zufällig. Wir alle sind das Ergebnis von Vorbildern, die uns die Kultur anbietet. Aber indem wir bestimmte Verhaltensweisen und Orientierungen annehmen bzw. ablehnen, bestimmen wir die Kultur mit, die wir leben.

7.
Kultur im Sinne einer sozialen Wirklichkeit erzeugen wir dadurch, dass wir unsere einzelnen Welten aufeinander abstimmen. Dies geschieht face-to-face und vor allem durch die Medien; aber auch indem wir in den gleichen (ästhetischen) Umwelten leben und weltweit die selben Produkte nutzen. Im Rahmen der sog. Globalisierung werden sich die Medien- und Produktumwelten immer ähnlicher. Wir verwenden die selben Produkte und verbringen unsere Zeit in den gleichen medialen Räumen. Die große Mehrzahl aller Kleinkinder erhält erste feste Nahrung aus drei oder vier Betrieben – Hipp®, Alete®, Milupa® – Heidi® hat sich überall als japanischer Manga in das menschliche Gedächtnis einprägt. Die Texte werden mit Word® von Microsoft® verfasst und die Ideen mit Hilfe von Powerpoint® präsentiert. Hier kann die Kunst ein Gegengewicht erzeugen. Als Kunstgeschichte oder besser als Geschichte der Bilder und als moderne Kunst führt sie uns Alternativen vor Augen. In der Geschichte der Bilder werden frühere Weltsichten aufbewahrt, tradiert und immer wieder aktualisiert; die moderne Kunst als das System der innovativen und alternativen Weltsicht entwirft in der Produktion und in der Rezeption dauernd neue Sichten auf die Welt.

8.
Die Welt, um die es im Kunstunterricht geht, ist die, die wir mit unseren Sinnen – in unserem Fall vor allem den Augen – wahrnehmen, bzw. die Wirklichkeit, die wir in dieser Welt konstruieren. Wir betreiben mit ihr Situationsmanagement, gestalten sie so, dass Wahrnehmungen möglich werden, die bestimmte Empfindungen auslösen. Über die Umwelt gestalten wir unsere Wirklichkeitsmodelle und die Settings, in denen die anderen ihre Modelle konstruieren. Wir gewinnen in ihr Erkenntnisse und neue Ideen und wir kommunizieren in und mit ihr. Die Kunstpädagogik befasst sich traditionell mit der sinnlichen Welt und hat trotzdem einer 16-jährigen Schülerin wenig zu sagen. Das mag verschiedene Gründe haben, einer liegt in der Theorie begründet, die dem Unterricht zugrunde liegt. Sie geht nur in seltenen Fällen von der Welt der Kinder und Jugendlichen aus. Sie fragt nur selten, was brauchen die Kinder und Jugendlichen, bzw. was braucht die Gesellschaft, sie fragt vielmehr, wie kann ich wichtige Ansätze der Kunst vermitteln (13). Ihr Hauptbezugsfeld ist die Kunst, und diese ist heute, wie etwa Danto oder Luhmann gezeigt haben, ein Verweisungssystem, das auf sehr abstrakten Gedankengängen aufbaut.

9.
Die kunstdidaktische Diskussion des letzten Jahrzehnts war bestimmt von den beiden Antagonisten Gunter Otto und Gert Selle.
Otto entwickelt seine "Ästhetische Rationalität" als eine eigenständige Methode, sich die Welt durch sinnliche Wahrnehmung und eine an der (modernen) Kunst entwickelten Interpretationsmethode anzueignen. Er entwickelt sie von der philosophischen Ästhetik her und stellt sie gleichberechtigt neben die logisch-wissenschaftliche Rationalität. Mit unserer 16-jährigen würde er vielleicht eine Installation von Anna Oppermann besuchen.
Selle’s "Ästhetisches Projekt" orientiert sich an der Produktion, sein Leitbild ist der (schöpferische) Künstler. Ausgangsmaterial für seine Projekte sind intensive, existentielle Wahrnehmungen. Er würde unsere Schülerin vielleicht in eine aufgelassene Fabrik mitnehmen. Dort würde sie aus eigenem Antrieb ein ästhetisches Projekt entwickeln, d.h. sich selbst eine(r) Aufgabe stellen und sich an ihr "abarbeiten".
Otto legt den Schwerpunkt auf die Rezeption, Selle auf die Produktion. Beide gehen sie vom Kunst- und Kulturbegriff der westlichen Avantgarde aus und bekommen die Zielgruppe der "konkreten" Kinder und Jugendlichen gar nicht erst in den Blick und wären folglich auch nicht traurig, wenn der Kunstunterricht als eigenes Fach aus der Schule verschwinden würde. Otto sieht die ästhetische Rationalität als ein Erkenntnisprinzip und als solches ist sie nicht an ein bestimmtes Unterrichtsfach gebunden. Das Fach würde als Methode in die anderen Fächer, in die Schule insgesamt diffundieren (14). Schulpflicht, Stundenkorsett, Benotung und andere systembedingte Eigenschaften des Schulunterrichts widersprechen der Kunst... und damit dem "Ästhetischen Projekt" Selles.
Wer die moderne Kunst bzw. den modernen Künstler zum Vorbild für den Unterricht wählt, lehnt konsequenterweise den Schulunterricht in Kunst ab. Beide, Otto wie Selle, bleiben die Antwort auf die Frage schuldig, wer sich dann um die Welt der Bilder und der ästhetischen Gestaltung der Welt kümmern soll. Genaugenommen stellen sich beide diese(r) Frage nicht.
Unter dem Stichwort Bildkompetenz kommt die "Visuelle Kommunikation" erneut in die Diskussion (15). Vor allem Henning Freiberg weist immer wieder auf die besondere Rolle und Verantwortung des Faches hin, das als einziges die Bilder zum Gegenstand hat. Die anderen Schulfächern verwenden Bilder lediglich als (Lehr)-Mittel. Allerdings empfiehlt auch er, sich mit den sog. neuen Medien auf der Grundlage von (Medien-)Kunst auseinander zu setzen. Das beinhaltet die Gefahr, dass die systembedingte Distanz zwischen Kunst und Nichtkunst in den Köpfen der Lehrerinnen und Lehrer und der Schülerinnen und Schüler weiterbesteht, und die Übertragung der Erkenntnisse auf die alltägliche Welt nur schwer gelingt, dass es anstatt um Medienverständnis um Fragen der künstlerischen Qualität und der "tieferen" Bedeutung geht (16). Vielleicht würde Freiberg mit unserer Schülerin eine Videoinstallation besuchen.
Seit einigen Jahren hat Helga Kämpf-Jansen unter dem Stichwort "Ästhetische Forschung" ein kunstdidaktisches Konzept entwickelt, das die Ansätze von Otto und Selle integriert. Ausgangspunkt für ein ästhetisches Forschungsvorhaben sind die jeweiligen persönlichen Interessen der arbeitenden Kinder und Jugendlichen, sie tragen auch die Verantwortung für ihre Arbeit. Modell für dieses Verhalten ist der moderne Künstler. Die einzelnen Arbeitsschritte und Ergebnisse werden daneben immer wieder auf dem Hintergrund der modernen Kunst, der Wissenschaft, der Alltagsästhetik &c. reflektiert. Das Konzept ist ein zukunftsweisendes Modell mit theoretischen und praktischen Anliegen, das eine offene Problemstellung ermöglicht und sich bereits im Unterricht als praktikabel erwiesen hat, nicht zuletzt deshalb, weil es konkrete Kinder und Jugendliche im Auge hat. Unsere Schülerin würde sie dazu anregen, sich mit ihrer eigenen ästhetischen Umgebung auseinander zu setzen und die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung in einer Ausstellung zu zeigen. Nicht ganz geklärt ist für mich, welches Wissen und welche Erfahrungen hinsichtlich der ästhetischen Wirklichkeit verbindlich sein sollen und wie diese vermittelt werden sollen.


10.
Eine aufgeklärte Gesellschaft muss die sinnlich gestaltete Welt und ein so zentrales Medium wie das Bild zum Gegenstand der Bildung machen. Die Schule muss sich darum kümmern, und die KunsterzieherInnen sind dafür die Fachleute (17).
Damit die Kunsterzieher und Kunsterzieherinnen das leisten können, brauchen wir eine Theorie, die Selbstverständnis und Praxis der Kunstpädagogik so verändert, dass der Kunstunterricht an den Schulen auf die Welt angemessen reagieren kann.

11.
Die Bestimmung des Gegenstands der Beobachtung bestimmt, was gesehen werden kann. Probleme brauchen einen Namen, um sich vom undifferenzierten "Hintergrund" abzuheben; erst dadurch erhalten sie ihre Gestalt. Das ist eine Binsenweisheit. Sie ist die wichtigste Entscheidung, die bezüglich eines Schulfaches getroffen wird. Die zunehmende Forderung der Integration verschiedener Fächer in einen projektorientierten Unterricht kann uns nicht davon entbinden.

12.
Theorien sind formulierte Wirklichkeitsmodelle. Ihre Aufgabe ist es, einen bestimmten Bereich von Erscheinungen einheitlich zu erklären und zusammengehörige Gegenstände systematisch zu ordnen. Lehrer stehen dauernd vor der Frage, was zu tun bzw. zu lassen ist. Dafür brauchen sie ein möglichst effizientes Modell von der Welt, von ihrer Aufgabe und der Umwelt, in der sie handeln. Dieses Modell sollte Relevantes von Irrelevantem unterscheiden können, sollte aus der Unsumme von potentiellen Sachverhalten jene herausfiltern, um die es "geht". Die systematische Ordnung, welche die Theorie leistet, hilft die Komplexität zu verringern. Jegliches Verhalten ist so gesehen theoriegeleitet. Allerdings bleibt diese Theorie in der Regel unformuliert und damit unbewusst. Formulierte Theorien sind oder werden bewusst, sie können kritisiert und kommuniziert werden. Fachdidaktische Theorien entwickeln sich an der Praxis, und helfen diese zu bewältigen. Eine Theorie der Kunstpädagogik orientiert sich an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Schüler, an den Gegebenheiten der Welt und der Schule. Sie hat einen Unterricht zum Ziel, der bei den Schülerinnen und Schülern Weltmodelle erzeugt, die es diesen ermöglicht, in der Welt zurechtzukommen.

13.
Marshall McLuhan schreibt in seinem Buch "Die magischen Kanäle":

"Als IBM erkannte, dass ihre Tätigkeit nicht die Erzeugung von Bürobedarf oder Büromaschinen ist, sondern die Verarbeitung von Information, begannen sie, ihr Unternehmen mit klarem Blick zu leiten." (18)

Auf die Kunstpädagogik übertragen, könnte es heißen:

Als die Kunstpädagogik erkannte, dass ihr Gegenstand nicht die Kunst oder die Kreativität ist, sondern die ästhetisch erzeugte Wirklichkeit, wurde der Unterricht für die Schüler interessanter, für die Gesellschaft relevanter und für die Kunsterzieher befriedigender.

14.
Der Gegenstand der Kunstpädagogik ist die ästhetisch erzeugte Wirklichkeit.

15.
Es geht um jene Wirklichkeit, die wir in bzw. mit Hilfe ästhetischer Erscheinungen konstruieren, und um die Bedeutung der ästhetischen Erscheinungen für die Konstruktion unserer Wirklichkeit.

16.
Wenn wir erkennen, dass es nicht um die feinsinnige Interpretation von Meisterwerken der Kunst, nicht um Zeichnungen nach der Natur und Bilder aus der Phantasie, nicht um Produktdesign, nicht um Schriftgestaltung, nicht um Architektur und nicht um den Farbkreis geht, sondern dass es um die ästhetisch erzeugte Wirklichkeit geht, dann sehen wir die Kunstpädagogik klarer und können mit Kunstwerken, mit Naturstudien, mit Phantasiebildern, Produkten, Grafikdesign, Architektur, Farblehre usw. entsprechend umgehen.

17.
Ich will die Gegenstände und Methoden des Faches nicht völlig neu bestimmen, ich schlage lediglich vor, sie unter neuen Gesichtspunkten zu lesen. Die ästhetisch erzeugte Wirklichkeit ist die Schnittmenge aller bisheriger und möglicher zukünftiger Gegenstände des Faches. Mit dieser Lesart verstehen wir, was Schriftgestaltung, mittelalterliche Malerei, Kinderzeichnungen und Architektur miteinander gemeinsam haben. Die Zeichnungen eines 4-jährigen sind genauso Gegenstand wie Meisterwerke der bildenden Kunst und Fernsehübertragungen mit milliardenfacher Seh-Beteiligung. Das Zimmer einer 16-jährigen ebenso wie die Wieskirche oder das Möbelcenter. Das Styling eines Bankangestellten ebenso wie das einer Automarke. Es geht um subjektiven "expressiven" Selbstausdruck in einer Kreidezeichnung ebenso wie um die Darstellung intersubjektiver Zusammenhänge in Diagrammen. Eine Schülerarbeit erreicht weniger Menschen als eine Fernsehübertragung oder ein Kunstwerk, sie wird als weniger wichtig erachtet und hat so naturgemäß einen geringeren Einfluss auf die Welt, aber sie ist ebenfalls Teil der ästhetischen Konstruktion der Wirklichkeit.

18.
Es geht nicht um grundsätzlich neue Gegenstände, sondern um einen anderen Blick auf sie. Es geht nicht mehr um die einzelnen Gegenstände, sondern um die Wirklichkeit, die wir mit ihrer Hilfe und durch ihren Gebrauch konstruieren.

19.
Im Zusammenhang mit Kunstwerken und ungewöhnlicher Gestaltung stellen wir gern die Frage, was will uns der Künstler damit sagen. Diese Frage liegt der Kunstwissenschaft zugrunde, sie ist eine Deutungswissenschaft. Viele ästhetische Ansätze bleiben an semiotischen Fragestellungen hängen, und richten das Hauptaugenmerk auf Probleme der Kommunikation und der Weltdarstellung, kurz auf Gehalt und Bedeutung. Dadurch bleiben viele Phänomene der gestalteten Welt außerhalb ihres Horizonts. Wenn Umweltgestaltung, Einrichtungen, Erlebnisarchitektur oder auch Computer- und Videospiele lediglich als Äußerungen betrachtet werden, können sie nicht hinreichend verstanden werden.

20.
Weil Lebenszeit und damit Unterrichtszeit begrenzt ist, und es wichtiges und weniger wichtiges Wissen gibt, ist es die Aufgabe der Didaktik, Antworten darauf geben, was gelernt werden muss und kann; d.h. mit welchen Situationen und Problemen die Kinder und Jugendlichen konfrontiert werden sollen.

21.
An der ästhetisch erzeugten Wirklichkeit lassen sich drei Lernkomplexe unterscheiden:

  • Verstehen, wie diese Wirklichkeit entsteht
  • gestalten und erfinden von neuen Wirklichkeiten
  • Beeinflussen der Wirklichkeit

Unter den Begriffen Analyse, künstlerische Praxis und Kommunikation werden diese drei Lerninhalte des Faches in den Lehrplänen seit langer Zeit organisiert. Und die meisten fachdidaktischen Ansätze berücksichtigen sie, wenn auch in unterschiedlicher Gewichtung.

22.
Verstehen: Es geht darum zu verstehen, wie diese Wirklichkeit "funktioniert", welche Wirklichkeit wir in und mit den ästhetischen Welten konstruieren, welchen Einfluss diese ästhetische Welt auf unsere persönliche und soziale Weltsicht hat. Wie wir in ihr Erfahrungen machen und Erkenntnisse gewinnen. Wo ihre Schwächen, ihre Stärken und ihre blinden Flecken liegen. Es geht um Fragen der Wahrnehmung, der Kultur, der Semiotik, der formalen und strukturellen Bedingungen der verschiedenen Medien, der Interpretation von Bildern, der Kunst... Vor allem geht es darum zu verstehen, dass diese Welt und das Wirklichkeitsmodell, das wir in ihr konstruieren, konstruiert und damit veränderbar sind.

Gestalten und erfinden: Es geht um Methoden, Techniken und Strategien zur Gestaltung und Erfindung von ästhetischen Umwelten, von Wahrnehmungsangeboten, also um Bilder, Gegenstände, Layout &c. Und um die Entwicklung von Kreativität. (19)

Beeinflussen: Wir beeinflussen diese Welt, indem wir Wahrnehmungsangebote machen. Dabei handelt es sich zum einen um die Gestaltung unserer Umwelt, das machen wir für uns selbst und andere, etwa wenn wir unsere Wohnung einrichten, Bebauungspläne erlassen oder Produkte entwerfen, zum anderen handelt es sich um die Gestaltung und Präsentation von Mitteilungen. In beiden Fällen wird die eigene und die Wirklichkeitskonstruktion anderer beeinflusst. Im zweiten Fall handelt es sich ausdrücklich um Mitteilungen und semiotische Verfahren, im ersten Fall "nur" um Gestaltung, wobei diese Gestaltungen auf Entscheidungen beruhen und daher immer als Zeichen gedeutet werden können. So sind die Übergänge zwischen den Bereichen Kommunikation und Gestaltung fließend. Es geht darum zu verstehen und zu erproben, wie sich mit verschiedenen Mitteln und Präsentationsweisen die Welt beeinflussen lässt.

23.
Praxis und Theorie des gegenwärtigen Kunstunterrichts sind von verschiedenen sich zum Teil widersprechenden Positionen bestimmt. – Produktion gegen Rezeption, Kunst gegen Alltagsästhetik, künstlerische Produktion gegen mediale Bildkompetenz. Daneben spielen vor allem in der Praxis noch weitere mehr oder weniger formulierte Annahmen und Ziele eine Rolle. Die verschiedenen Theorien existieren in den einzelnen Lehrerinnen und Lehrern nebeneinander, was zu entsprechenden Unsicherheiten führen kann. Da gibt es dann die Vorstellung von der Kinderkunst und deren besonderer Kreativität und Qualität neben dem modernen Kunstbegriff, wie Arthur Danto ihn analysiert. Das hält der toleranteste Kunsterzieher nicht aus und stellt Themen, die er in seiner eigenen Schulzeit auch schon bearbeitet hat: drei Ziegen in Linoleum. (20)




24.
Mit der ästhetisch erzeugten Wirklichkeit als Grundlage gewinnen wir für all das, was Kunstunterricht schon immer geleistet hat und was er in Zukunft leisten soll, einen gemeinsamen Nenner. Aus den verschiedenen Theorieansätzen werden Theoriemodule, die sich gegenseitig nicht mehr widersprechen müssen. Die Module können entsprechend beurteilt und angewandt werden. Ansätze der musischen Erziehung finden ebenso ihren Platz wie die Visuelle Kommunikation, Selle's Ästhetisches Projekt ebenso wie Otto's Ästhetische Rationalität und Kämpf-Jansens Ästhetische Forschung, so wie die vielen nicht ausdrücklich formulierten Vorstellungen, die in der Praxis eine Rolle spielen. So kann sich das Fach den zukünftigen Anforderungen und Aufgaben öffnen, ohne eine radikale Veränderung durchlaufen zu müssen.



25.
In der Kunstpädagogik müssen auf verschiedenen Ebenen Entscheidungen getroffen werden. Mit der Bestimmung des Gegenstandes wird die Rationalität dieser Entscheidungen erhöht. Dies gilt für die einzelne Unterrichtsaktivität, für die Unterrichtsplanung, die Erstellung von Lehr- und Stoffplänen, für Fragen der Aus- und Weiterbildung sowie für die Forschung.

26.
Der Ansatz der ästhetischen Wirklichkeit beschreibt die traditionellen Aufgaben der Kunstpädagogik und erweitert ihren Gegenstand so, dass wir den Aufgaben gewachsen sind, die sich aus der Zunahme der ästhetisch erzeugten Wirklichkeit ergeben, ohne unsere Traditionen zu verleugnen. Mit diesem Ansatz können wir darüber hinaus unser Fach überzeugend legitimieren; denn es kann wohl niemand im Ernst die Bedeutung der ästhetisch erzeugten Wirklichkeit bestreiten. Wer nämlich das Fach, das diese zum Gegenstand hat, kürzen oder aus dem verbindlichen Fächerkanon herausnehmen will, muss einiges erklären:

  • Wie kann man besser die kreative Vorstellungskraft entwickeln?
  • Warum muss sprachliches nicht aber visuelles Kommunizieren gelernt werden?
  • Warum dürfen angehende Staatsbürger nicht lernen kompetent mit Gestaltung umzugehen?
  • Warum sollen angehende Staatsbürger über das zentrale Medium der Wirklichkeits- und Informationsvermittlung nicht aufgeklärt werden?

27.
Wenn die Kunstpädagogik sich die ästhetisch erzeugte Wirklichkeit zur Grundlage ihrer Aufgabe macht, dann sollte sie ihre Standards enorm verbessern können und die Legitimationskrise solange hinter sich haben, wie sich Wirklichkeit ästhetisch präsentiert. Und Eltern wie Schüler werden das Fach nicht für einen unnötigen Luxus halten.

Der Text ist die Überarbeitung eines Vortrag, den ich im Mai 2001 an der Universität Mozarteum in Salzburg gehalten habe.

 Januar 2002

Literatur:

Dawkins, Richard, Der blinde Uhrmacher, München 1987

Kämpf-Jansen, Helga, Ästhetische Forschung, Köln 2001

Keller, Rudi, Zeichenbedeutung und Bedeutungswandel, in Zeitschrift für Semiotik, Band 14, Heft 4 (1992), S. 327ff

McLuhan, Marshall: Die magischen Kanäle, Frankfurt 1970, S. 18

Mitterer, Josef, Die Flucht aus der Beliebigkeit, Frankfurt 2001

Müller, Michael, Sottong, Hermann: Der symbolische Rausch und der Kode, Tübingen 1993

Otto, Gunter, Lehren und Lernen zwischen Didaktik und Ästhetik, 3 Bände, Seelze 1998

Schulze, Gerhard, Die Erlebnisgesellschaft, Frankfurt 1991

Rifkin, Jeremy, Access – das Verschwinden des Eigentums, Frankfurt 2000

Kroeber-Riel, Werner, Bildkommunikation, München 1993

Möller, Heino R., Gegen den Kunstunterricht: Versuche zur Neuorientierung, Ravensburg 1971

Literatur zum "Radikalen Konstruktivismus":

Aufsatzsammlungen, die einen guten Überblick bieten:

Schmidt, Siegfried J. (hrsg.), Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus, Frankfurt (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft)

Watzlawick, Paul (hrsg.), Die erfundene Wirklichkeit – Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben, München (Piper)

ders. (hrsg.), Einführung in den Konstruktivismus, München (Piper)

weitere empfehlenswerte Lektüre für den Einstieg:

Glasersfeld, Ernst von, Radikaler Konstruktivismus, Frankfurt (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft)

Maturana, Humberto R./Varela, Francisco J., Der Baum der Erkenntnis – Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens, München (Goldmann)

 

Anmerkungen

1 Die Ergebnisse einer Umfrage zur Situation des Kunstunterrichts, die wir in den Kreisen Paderborn und Bielefeld im Herbst 2000 durchgeführt haben, zeigen, dass die KollegInnen an den Schulen die Situation des Faches wesentlich positiver einschätzen. zurück

2 Lehrpläne geben in den meisten Bundesländern relativ wenige Themen verbindlich vor. Der Unterricht wird relativ wenig kontrolliert. Der Unterricht des einen Jahres baut nur selten auf dem des vorherigen Jahres auf. Es gibt keinen verbindlichen Kanon an Grundkenntnissen, keine allgemeinen Lehrbücher. Als Künstler sind Kunstlehrer und Kunstlehrerinnen immer auch Individualisten ...zurück

3 Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins, der sich vor allem mit der Bedeutung der Gene im Evolutionsprozess beschäftigt hat, schlägt vor, kleinste kulturelle Einheiten und ihre Entwicklung wie Gene in der Evolution zu betrachten – er bezeichnet sie mit dem Kunstwort "Meme". Nach dieser Methode könnte man das Auftauchen von Themen ihren Höhepunkt, ihre Mutationen und ihr Verschwinden beschreiben. zurück

4 Den größten Einfluss haben vermutlich ausgearbeitete Unterrichtsvorschläge. Josef Walch dürfte mit seinen fertig ausgearbeiteten Unterrichtsbausteinen einer der einflussreichsten Fachdidaktiker sein. zurück

5 Genauer: die Schule inszeniert Situationen, die Schüler zu entsprechenden Konstruktionen veranlassen sollen. zurück

6 "Die Kulturindustrien ... sind der am schnellsten wachsende Sektor in der globalen Wirtschaft. Zu den kommerziell bedeutsamsten Zweigen im Zeitalter des Zugangs zählen der Film, Radio und Fernsehen, die Plattenindustrie, der globale Tourismus, Einkaufszentren, Unterhaltungszentren, Themenstädte, Themenparks, Mode, Küche, Profisport und –spiele, Glückspiel, Wellness, die simulierten Welten und virtuellen Realitäten des Cyberspace." Jeremy Rifkin, S.187 zurück

7 Kroeber-Riel beschreibt in seinem Buch "Bildkommunikation" die Überlegenheit des Bildes über die Sprache: sie werden schneller wahrgenommen und länger erinnert als Sprache, und sie sprechen die rechte Gehirnhälfte und damit die Emotionen an. zurück

8 Die Bezeichnung des Faches (Kunst...) und die vom Fach nach außen und innen kommunizierte Kunstthematik hat dazugeführt, dass das Fach einerseits übersehen wird und andererseits sich nicht so angesprochen fühlt, sich seiner Bedeutung entsprechend in der Debatte zu positionieren. Man hat gegenwärtig eher den Eindruck, dass die Fachdidaktik vor allem einen Beitrag zum "neuen Lernen" leisten will und nicht zum ureignen Gegenstand des Faches. zurück

9 Die Ergebnisse finden sich unter http://hrz.upb.de/fb4/kunst/forschung/forschung  zurück

10 Diesen Begriff verwendet Gerhard Schulze in seinem Buch "Die Erlebnisgesellschaft". Er meint unsere Strategien, Umwelten und Situationen zu wählen oder zu erzeugen, in denen sich Erlebnisse einstellen. zurück

11 Rudi Keller (1992) S.334. Symptome stehen in einem "natürlichen" Verhältnis zu dem, was sie bezeichnen. Wenn wir die Einrichtung eines Zimmers als ein Zeichen für die Bewohnerin nehmen, unterstellen wir, dass diese Einrichtung von ihrem Geschmack bestimmt ist und der Geschmack für sie charakteristisch ist. Etwas über sie aussagen kann. Dieser Schlussvorgang, der nicht unbedingt einen Sender voraussetzt, kann als Kommunikationsmittel verwendet werden. zurück

12 Dass wir von dieser Aussagefähigkeit wissen, zeigt die Tatsache, dass wir nur einem sehr begrenzten Personenkreis Zugang zu unseren privaten Zimmern gestatten. zurück

13 Fragen der "Kundenorientierung" wie sie etwa im Rahmen des Qualitätsmanagements (ISO 9000 ff) diskutiert und gefordert werden, finden sich in der veröffentlichten Diskussion zur Kunstpädagogik nicht. zurück

14 Aus diesem Ansatz speist sich u.a. die Idee, der Kunstunterricht könnte einen wesentlichen Beitrag zur neuen Schule und zum neuen Lernen leisten. zurück

15 Vor gut 30 Jahren forderte Heino R. Möller in seinem Buch "Gegen den Kunstunterricht" die Abschaffung eines affirmativ an bürgerlichen Werten orientierten Kunstunterrichts. zurück

16 Die Kunst stellt einen "besonderen" Standpunkt der Analyse und Wahrnehmung dar und ist deshalb prinzipiell sehr gut geeignet, Strategien der Wirklichkeitskonstruktion zu erkennen und zu durchschauen; diese besondere Stellung der Kunst lässt sie aber auch ein eigenes vom Alltag gelöstes Leben führen. zurück

17 Künstler sind die richtigen Bildlehrer oder warum die Kunst die richtige Bezugsdisziplin für Kunstlehrer ist. Bildlehrer müssen sich wie die anderen auch, auf sich dauernd verändernde Bedingungen einstellen, das kann man recht gut an der Kunst lernen. Die moderne Kunst erprobt das eigene Medium, sie reflektiert sich dauernd mit, was eine gute Voraussetzung ist für ein spezifisches Medienverständnis. zurück

18 McLuhan 1970, S. 18 zurück

19 Die Entwicklung der Kreativität wird häufig als eine der Kernaufgaben des Kunstunterrichts genannt, dies ist ein Erbe der Kunst. Wobei der einzelne Künstler nicht kreativer ist als andere Leute, die Probleme lösen müssen. Lediglich die Kunst als System mit ihrer Forderung nach Innovation auf der Produzentenseite und offener Interpretation auf Seiten der Rezipienten kann als besonders kreativ angesehen werden. Kreativität ist eine allgemeine Eigenschaft, ihr Förderung kann und darf nicht auf ein einziges Fach beschränkt werden. zurück

20 Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: auch ich habe in meiner Zeit als Kunsterzieher am Gymnasium ähnliche Themen bearbeiten lassen und nur selten bemerkt, wie "daneben" diese sind. zurück


Franz Billmayer
zuletzt geändert: 5. September 2010


Das Zimmer einer 16-Jährigen im Jahre 1999


Private und mediale Bilder schaffen ein komplexes Geflecht von Bedeutungen und Bezügen


Über die Einrichtung verschafft sich das Mädchen gezielt Wahrnehmungsangebote und Denkanlässe. Sie kommuniziert auch: das ist mein Zimmer.


Und so etwas wird im Kunstunterricht an einem bayerischen Gymnasium 1999 gemacht.